Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 35)
- Language
- German
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58 die dem dilettantischen Kulturhistoriker energisch zu Leibe geht und ihm eine Fülle von Unrichtigkeiten und Widersprüchen nachweist. Der Aussatz eines Juden, der seinen Glaubensgenossen nichts Besseres anzurathen wußte, um aus dem Dilemma, in dem sie sich nun einmal befinden, herauszukommen, als die Taufe ihrer Kinder, hat zwei kräftige und geistreiche Widerlegungen von Rosalie Perl es und Gustav Levinstein erfahren. Die Schrift von Ludwig Philippson: Haben die Juden wirklich Jesum gekreuzigt? die längst vergriffen war, ist in dankenswerther Weise neu aufgelegt worden und wird auch in dieser Gestalt hoffentlich dazu beitragen, Jrrthümer zu berichtigen und Vorurtheile zu beseitigen. Unter den Vorkämpfern gegen den Antisemitismus begegnet uns diesmal ein Vertreter des österreichischen Adels, Heinrich Graf Coudenhove, dessen Buch: Das Wesen des Antisemitismus sich in Inhalt und Form über den Rahmen der polemischen Litteratur dieser Frage weit erhebt. Dasselbe gilt von dem Buche D. Chwolsons: Die Blutanklage und sonstige mittelalterliche Beschuldigungen der Juden, das der Verfasser selbst nach der zweiten russischen Ausgabe von 1880 ins Deutsche übersetzt und neu bearbeitet hat. Der Schrift liegt ein Gutachten zu Grunde, das der gelehrte Autor im Jahre 1857 auf Befehl des Czaren selbst abgegeben hat und das 20 Jahre später auf Wunsch des russischen Großfürsten Michael Nikolajewitsch an die Richter von Kutais und Tiflis zur Aufklärung über das Blutmärchen vertheilt wurde. Auch die einschlägige Arbeit von Prof. Strack ist in diesem Jahre neu erschienen; ein protestantischer Pastor und ein katholischer Pfarrer haben zu verschiedenen Fragen, die der Haß aufgeworfen, mit Liebe und Verständnis Stellung genommen, nämlich der Pfarrer Or. F. Frank mit seiner Schrift: Der Ritualmord, und der Pastor I. Jaeger, der sich mit der natürlich auch von antisemitischer Seite neuerdings aufgeworfenen Frage eingehend, beschäftigt: Steht im Talmud etwas über Fleisch- und Fettbesudelung? Amüsant ist es, daß gerade von extrem antisemitischer Seite dem Zionismus ein literarischer Helfer entstanden ist; nämlich der ehrenwerthe Prager Kanonikus vr. August Rohling hat sich wieder einmal bemüßigt gefunden, in die Arena zu treten und mit einer