Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 33)
- Language
- German
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51 vor diesem altehrwürdigen Erbe unserer Vergangenheit die alte Gluth bewahre." Goldschmidt hat das ganze Gebetbuch übersetzt von Ma towu bis zu Anim Semirot. Seine Bearbeitung ist eine homiletische; er hat vor allem die erbauliche und religiösbelehrende Seite im Auge. Er will so zu sagen das Impressionistische geben, den ganzen Eindruck, wie er sich in ihm in säst fünf Jahrzehnten religiösen Lebens gestaltet hat. Auch die strengsteKritik wird anerkennen müssen, daß Goldschmidt seine Aufgabe vorzüglich gelöst hat. Viele seine Uebersetzungen sind auserlesene Kabinetsstücke sprachlicher Meisterschaft, die sehr oft den Rhytmus, den Reimwechsel und die Wagnisse eines kühnen Wortbaues in , einem geistreichen Spiel zu allen Regenbogenfarben der Sprache verbindet. Die Uebersetzung der häuslichen Sabbatgesänge, der Semirot, verdanken wir Leo Hirschfeld. Eine hübsche Anthologie der morgenländischen Litteratur hat Adeline Goldberg in ihrer Sammlung: Licht aus Osten für die reifere Jugend geschickt ausgewählt; die neühebräischen Dichtungen über Wein und Liebe, soweit sie ins Deutsche übertragen sind, hat S. A. Taubeles zusammengestellt. Mit einem palästinischen Divan hat uns G. H. Dalman beschenkt. Er ist das Ergebnis seines Aufenthaltes im heiligen Lande in den Jahren 1899—1900 und bietet in der Uebersetzung und mit den Melodieen einen sehr wichtigen Beitrag zur Volkskunde Palästinas. Den höchstinteressanten Einblick in eine fremde Welt vermittelt uns eine Anthologie des jüdisch-deutschen Volksliedes, die S. M. Ginzburg und P. S. Marek in Petersburg herausgegeben haben. Voran geht eine historische Einleitung, und eine Bibliographie dieser Volkslieder von S. Wiener schließt diese Sammlung. Die Originale sind in hebräischer und deutscher Schrift mitgetheilt. Schon die bloße Inhaltsangabe läßt errathen, was das Buch enthält. Den Reigen eröffnen religiöse, nationale und historische Lieder. Es folgen Wiegen-, Kinder-, Schullieder, dann Liebeslieder und solche von Bräutigam und Braut, hierauf natürlich Hochzeits- und Familienlieder. Kriegs- und Soldatenlieder bilden hierzu einen seltsamen Gegensatz. Die letzte Abtheilung umfaßt verschiedene Lieder, die sich unter keine 4*