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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 49

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1902-01-01
Page
Seite 49 (sequence 31)
Language
German
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49 nimmt. Außer einem Roman von Anton de Waal: Judas wäre hier eine Erzählung von Josef Spillmann: Lucius Flavus und eine Geschichte: Aus den letzten Tagen Jerusalems namhaft zu machen. Dieselbe Zeit schildert auch mit feiner Darstellungskunst Carola Buchheim in ihrer Erzählung: Aus bangen Tagen; in biblische Zeiten versetzt uns eine Novelle von Lilly H. Montagu: Naomis exodus. In die Sphäre der komischen Darstellungen kleiner Verhältnisse führen uns H. Löwinger mit seinen Preßburger Ghettobildern, ferner ein Roman: Die Killeberger, nach der Natur ausgenommen von Onkel Siegfried, und die humoristischen Borträge von Eskari: Sabbarhfreude ein. Das ist alles! Mehr und Erfreulicheres haben wir aus p o etisch em Gebiete zu melden. Ein Dichter und ein Künstler von durchaus modernem Geiste und beide von nicht geringer Begabung haben sich zu einem großen Kunstwerke vereinigt, Juda, das in diesem Jahre berechtigtes Aufsehen erregt hat. Es sind Gesänge eines deutschen Dichters, Börries Freiherrn von Münchhausen, geschmückt durch Zeichnungen eines jüdischen Künstlers, E. M. Lilien. Beide, der Dichter wie der Künstler, haben ihr Bestes gegeben, und so ist ein Werk von harmonischer Verschmelzung deutschen Geistes mit jüdischem hervorgegangen, das nicht genug gerühmt werden kann. Niemand wird die Dichtungen Münchhausens ohne tiefe Ergriffenheit lesen; nur wenige neuere Poeten haben sich so in das Seelenleben des jüdischen Voltes zu seiner Blüthezeit und in den Geist der heiligen Schrift hinein zu versenken vermocht wie Münchhausen, und es ist erfreulich, daß er einen congenialen Künstler gefunden, dessen Ausstattung des. Buches von einer gründlichen Vertiefung in den Geist des alten Judenthums und seiner Kunstauffassung zeugt. Es ist nicht nur die naturalistische Kraft, die aus seinen Ornamenten, Vignetten, Miniaturen, Illustrationen, Ranken und Arabesken zu uns spricht, auch nicht einmal die Meisterschaft in der Zeichnung, die wir immer und immer wieder bewundern müssen, es ist vielmehr die schöpferische Stärke einer Künstlerkraft, deren charakteristisches Vermögen uns den Beweis liefert, daß die bildende Kunst von 4

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