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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 46

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1902-01-01
Page
Seite 46 (sequence 28)
Language
German
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46 der verehrte Grand Rabbin de France diesem Buche in einem geistvollen Vorwort mit aus den Weg gegeben hat. Ich erwähne noch, daß der fleißige Morse Schwab den zweiten Theil seines leider nur autographirten Repertoriums aller auf Juden und Judenthum sich beziehenden Artikel jüdischer Zeitschriften, nach den Materien geordnet, herausgegeben hat. Wenn man den Kreis der Literaturgeschichte etwas weiter zieht als dies sonst üblich ist— und ich sehe nicht ein, warum man dies nicht thun sollte? —, so kann man mit gutem Gewissen auch die Homiletik mit hineinziehen. Die jüdische Kanzelberedsamkeit hat in den letzten Jahren, nach dem mächtigen Aufschwung, den sie in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts genommen, keine neue Phase der Entwickelung durchgemacht. Sie bewegt sich noch immer in denselben Geleisen, die die großen Redner des 19. Jahrhunderts ihr gebahnt haben. Vielleicht ist das auch gut so; nur etwas mehr Berücksichtigung der Zeitgeschichte möchte ich unseren Predigern doch rathen. Ich glaube, daß sie dadurch bei ihren Zuhörern größeren Eindruck Hervorrufen werden. Die bedeutendste Gabe des Jahres ist der Nachlaß von Benjamin Rippner, den B. Jacob herausgegeben hat. Rippner war einer der geistreichsten und gediegensten Redner der Breslauer Schule. Seine Predigten sind nicht monoton, nicht abstrakt und nicht trivial, sie gehen nicht rührselig in Empfindung und tönende Phrase auf, sondern sie unterrichten und belehren in einer fesselnden Weise. Philosophisch durchgebildet, mit einem scharfen psychologischen Blick für die Erscheinungen der Zeit, freisinnig und sreimüthig, immer selbständig denkend und seine eigenen Wege gehend, so verstand es Rippner, seinem Thema, auch wenn es noch so schwer war, neue, originelle Seiten abzugewinnen und dieses so interessant wie möglich zu gestalten. Seine Predigten, Betrachtungen und ausgewählten Gebete bedeuten einen dauernden Gewinn für unsere homiletische Litteratur. Ein guter Prediger der Wiener Schule ist David Leimdörfer,

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