Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die Toten
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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272 „Und ich danke Ihnen, Herr Doktor." Ohne den Erzählenden mit einem Worte zu unterbrechen, den Kopf in die Hand ^gestützt, hatte der andere zugehört. „Es war doch wohl nöthig, daß ich hier zum rechten sehe. Man kann ihn unmöglich länger mit den beiden alten Leuten allein lassen. Wenn er ihnen einmal eine solche Scene machte . . . den Tod könnten sie, Gott behüte, davon haben" ... „Das befürchte ich nicht. . . So oft ich oben bin, habe ich bemerkt, daß er immer scheu und ängstlich um sie herum geht und sich rücksichtsvoll beherrscht" . . . „Glauben Sie, daß sie nichts merken?" „Reb Schlaume gewiß nicht. Höchstens klagt er, daß Benjamin kein rechter Bocher sei . . . und Frau Rebekka . . . vielleicht ahnt sie etwas von seinen Schmerzen, aber was es sei . . . wie könnte sie? So lange er nicht spricht" . . . „Aber es könnte ihn einmal überkommen, wie Ihnen gegenüber" ... Dr. Grosser lächelte trübe. „Er weiß, daß er eine Sprache spricht, die sie nicht verstehen ... ich befürchtete nichts. Aber heute" . . . „Heute?" unruhig erhob sich der Rabbiner. „Ja, vorhin als ich auf den Bahnhof ging, um Sie zu erwarten, traf ich ihn auf der Straße. Er sah aufgeregter aus, wie in den letzten Tagen. Ich fragte chn, ob chm etwas zugestoßen sei . . . aber er verneinte es und meinte, er habe mit seiner Dissertationsarbeit viel zu thun, dann ging er mit hastigen Schritten nach Hause." „Wir wollen jetzt ebenfalls hingehen." Reb Schlaume saß wie immer über seiner Gemara, als sie bei ihm eintraten. Der Schein der kleinen Lampe fiel auf die ausgeschlagenen Blätter und beleuchtete nur den engen Umkreis des Tisches. Der übrige. Raum blieb im