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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 273

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die Toten
Date
1900-01-01
Page
Seite 273 (sequence 41)
Language
German
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273 Dunkeln. Die matte Milchglasglocke war mit einem grünen Papierschirm verhüllt. Frau Rebekka war im Nebenzimmer. Als sie das Geräusch der Eintretenden hörte, kam sie herein. Sie war über die unerwartete Ankunft des Schwiegersohnes sehr erstaunt. Er erklärte diese mit einer Amtsreise und beide waren erfreut, ihn zu sehen. In diesem Augenblicke überkam den Rabbiner selbst ein eigenthümliches Gefühl. Auch auf chn wirkte das Seltsame, Abgestorbene dieser Umgebung. Wie eine große, unendliche Stille lag es über dem engen, kleinen Gemach. Etwas Bedrückendes, Unstetes. - Und doch lebten Menschen darin, sprachen, dachten, empfanden . . . Gute, edle Menschen mit reinen Gefühlen. Der alte, unermüdlich lernende Mann, die alte, geschäftige Frau mit dem ewig freundlichen Lächeln in ihren Mienen . . . so fromm, so geduldig, so . . . so . . . stumpf. Er erschrak vor seinen eigenen Gedanken. Etwas unsäglich Friedvolles schien ihnen ausgeprägt. Aber es war wie der Friede, der aus Grabesstätten emporsteigt. Verwirrt blickte er um sich. Sein Auge fiel auf seinen Begleiter. Dieser hatte ihn genau beobachtet. Er sah wie blitzartig diese Eindrücke auf den Rabbiner einstürmten. Ein Lächeln voll Wehmut und leichter Ironie zog um seine Lippen. Wenn diese stille Weltenferne schon auf ihn so wirkte, den Mann, dessen Anschauungen noch in diesen Daseinsbedingungen wurzelten, aus ihnen hervorgegangen sind, wie sollte das Stürmen und Drängen eines neuen, modernen Menschen sich damit abfinden? Eine junge, das Leben heißbegehrende Natur! Dr. Feilchenberg fühlte die stumme Frage der auf ihn gerichteten Blicke des jungen Rabbinatskandidaten. Er bedeckte sein Antlitz mit der Hand, als wollte er sich sammeln oder lästige Gedanken von sich scheuchen. Dann gab er auf die Fragen Frau Rebekkas Auskunft. Eifrig erkundigte sie sich über die Tochter und die Enkelkinder. Er hatte Erfreuliches zu berichten und endlich gelangte er auch dazu, mach Benjamin zu stagen. 18

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