Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die Toten
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 36)
- Language
- German
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268 lich giebt es noch eine dritte Kategorie, die stkrben nicht daran und schütteln es nicht ab." — Er lachte fein nnd spöttisch. „Ich verstehe, was Sie meinen" ... „Die Zahl der Uebertritte wächst von Tag zu Tage — die verwinden es . . . Ihre Natur verbindet sich mit diesen geistigen Neubildungen" . - - „Und Benjamin .; . mein Schwager?" „Wer könnte da etwas bestimmtes sagen? Jedenfalls leidet er schwer darunter. Viel schwerer, wie mancher andere, denn ihn fesselt mit eisernen Banden die Pietät und das Milieu, in dem er groß geworden ist, so ganz eigenartig." „Jüdisch, Herr Dr. Grosser, patriarchalisch jüdisch", sagte vr. Feilchenberg scharf. „Gewiß/' Herr Rabbiner, jüdisch, patriarchalisch jüdisch. Aber das ist es ja eben, was die Gegensätze verschärft. Die Eltern anderer jungerLeute konnten den Einwirkungen einer neuen Zeit sich nicht so schroff verschließen, das Leben, der Erwerb brachte es mit sich" . . . „Vor allem der Erwerb! Mein Schwiegervater hatte das, Gott sei Dank, nicht nöthig. Er ist ein Fürst, die andern Parvenüs" . . . Der junge Mann lächelte etwas ironische „Ein Fürst, Herr Rabbiner, aber aus einem Reich, das nicht von dieser Welt ist" ... „Herr Dr.!" rief der Rabbiner streng. „Entschuldigen Sie dieses Wort, Herr Rabbiner, es drängte sich mir unwillkürlich aus die Lippen, wenn ich an die ringende Seele des armen Fürstensohnes denke" . . . „Noblesse oblige, Herr Dr.«, antwortete der andere zurückweisend. „Man ist nicht umsonst der Enkelsohn von Rabbi Eliefer Gins . . . das fordert Opfer, vielleicht . . . aber man muß sie freudig bringen." „Man muß! Das sagt er auch ... man muß! Aber es klang herzzerreißend. Ich habe seit vierzehn Tagen die schlimmsten Befürchtungen, da war es, wo er-zum ersten Male zu mir kam. Und deshalb erlaubte ich mir. Sie herzuberusen . . . heimlich. . . ohne daß die Eltern es wissen.