Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die Toten
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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258 matik spielend eingeweiht hatte. Immer mit besonderen Schmeichelworten und unabhängig von Ort und Stunde." „Benjaminchen.... Benjaminleben.... Chochem. . . rnensa. . . inensae . . . mensae. . . rnensam. . . Komm in die gute Stub', dort haben wir mehr Ruh' ..." Das war die Form, in der man mit ihm umgegangen war. — Die Disziplin und Ordnung, der er jetzt unterworfen war, gaben ihm ein ganz verändertes, neues Bild des Lebens. Er wurde bald einer der eifrigsten Schüler, und wenn er in dem männlichen, kraftvollen Gesicht des Lehrers einen Ausdruck der Zufriedenheit mit seinen Fortschritten entdeckte, war er glücklich. Seinen Schulkameraden schloß er sich nicht an, sie blieben ihm fremd, in ihrer unbändigen, übermüthigen Wildheit, und seine weiche Seele, der alles Laute, Gewaltsame fern geblieben war, fand kein Berständniß und keine Neigung für ihre Belustigungen. Aber sein Zusammenhang mit der Außenwelt entfremdete ihn trotzdem seinen bisherigen Lebensgewohnheiten. Der intime, familiäre, witzelnde Ton des Verkehrs unter den Schülern seines Vaters fiel ihm plötzlich auf — unangenehm auf. Auch ihre Art zu reden. Er empfand einen Unterschied, ohne sich Klarheit darüber geben zu können, aber er entschied innerlich zu Gunsten der — andern. Viel zu zartfühlend und bescheiden, um etwas derartiges zu äußern, fragte er sich selbst, woher das käme? Und er gestand sich, daß die neue Welt, die er kennen gelernt, in die er ausgenommen wurde, die große Welt sei, das Leben in seiner Gemeinsamkeit. Um ihn, das war nur eine kleine, engumschlossne, engbegrenzte Welt. Er sah sich aber dadurch nach beiden Seiten isolirt. Das Alte fing er an zu verlieren, das Neue hatte er noch nicht gewonnen bis auf seine Freunde, die Bücher. Er las jetzt unermüdlich, und eine wirkliche Freude vermochte ihm nur der zu bereiten, der ihm Bücher brachte. Die Schüler Reb Schlaumes, die ihn immer noch gern hatten trotz seines veränderten Wesens, versorgten ihn reichlich damit. Alles mögliche gaben sie ihm. Erst die übliche Knabenlektüre, später die Dichterwerke aller Nationen und Meister, bis er endlich das Alter erreichte, wo er unabhängig von ihnen sich selbst verschaffte, was ihn reizte. Immer mehr schloß er sich so von jedem Verkehr ab. Ein Vorkommniß aus der ersten