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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 254

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die Toten
Date
1900-01-01
Page
Seite 254 (sequence 22)
Language
German
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254 leicht etwas verfallener, zwischen den spitzen Steinen des Hofes wuchs das Gras und die vorderste Thürschwelle war eingesunken, aber diese kaum merklichen Zeichen erhöhten den Eindruck des Unveränderlichen in diesem stillen Winkel: „Am untern Bär." Nur die Kinder hatten nach und nach alle das Haus verlassen. Die beiden älteren Söhne, die in die Geschäfte ihrer Schwiegerväter „eingeheirathet" hatten, waren geachtete Kaufleute, und auch die beiden Töchter waren gut versorgt. Die älteste hatte einen ehemaligen Schüler ihres Vaters, Dr. Feilchenberg geheiratet, der in Oberschlesien das Amt eines Rabbiners bekleidete, die jüngere einen sehr wohlhabenden Fabrikbesitzer in Lodz. Die Söhne und Töchter Salomons und Rebekkas waren alle streng religiös. Von dem sogenannten „Fortschritt" und den liberalen Strömungen drang nichts über die Schwelle dieses Hauses. Auch die jungen Theologen, die auf der Universität schon neue Anschauungen gewannen, ließen diese Ideen draußen, wenn sie zu Reb Schlaume kamen. Völlig unverändert war dort Alles geblieben im Wandel der Zeiten, und man hielt streng an den Sitten fest, die in Märkisch- Friedland und später in Rogasen ihrem Leben Bedeutung und Würde gaben. So war zur Hochzeit der jüngsten Tochter Hannchen, Rabbi Elieser noch nach Breslau gekommen, um wie er schrieb: „die jüngste Enkeltochter selbst unter die „Chuppe" zu führen." Ein Ereigniß! Für diesen Kreis wichtiger, als die großen politischen und socialen Umwälzungen jener Zeit. Sein letzter Besuch dort hatte der „Bris Mile" Benjamins gegolten. Das waren die hauptsächlichsten Geschehnisse und Brennpunkte ihrer Interessen. Geburt, Hochzeit, Tod! Kurze Zeit nach seiner letzten Reise, die er schon hochbetagt angetreten, wurde auch er zu seinen Vätern versammelt und Hannchens erstgeborener Sohn trug den Namen des berühmten Rabbi Elieser. Sein Andenken erlosch nicht in diesem Familienkreise. Der gottergebenen Trauer um den hochverehrten Vater folgten bald wieder freudige Vorkommnisse. Viele Enkelkinder wurden Salomon und Rebekka geboren, und der älteste Sohn rüstete bereits die Hochzeit seiner Tochter aus.

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