Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die Toten
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 17)
- Language
- German
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249 wendeten auch Salomon und Rebekka sich wieder ihren persönlichen Angelegenheiten zu. Das Dasein machte seine starken Rechte geltend. Die Vergangenheit barg das Tote, die Gegenwart verlangte Beachtung, die Zukunft Entschlüsse. Auch in diesem kleinen Stillleben. „Reb Schlaume," wie er in der .,Khille" allgemein genannt wurde, seit er so fürsorglich und muthig sich in der schweren Zeit bewährt hatte in der „Bikur Cholim", saß seit Jahr und Tag wieder bei seinen Talmudstudien, als eines Vormittags Frau Rebekka ihn mit dem Vorschlag überraschte, daß sie doch nach Breslau ziehen sollten. Die Hinterlassenschaft seiner Eltern war so groß, daß sie dort sorglos und bescheiden von Zinsen leben könnten, wenn man das Geschäft auch ganz aufgebe. Es sei ja niemand da, der es so recht zu führen verstände, und die Geschäfte in den kleinen Städten gingen so wie so immer mehr zurück. Es sei doch besser in einer großen Stadt zu wohnen. Hier halte sie nichts als die Gräber seiner Eltern. Auf „Kewer owaus" könne er auch von Breslau aus fahren, mit der Post käme man über Posen und Rawitsch in 3—4 Tagen hin. Im übrigen aber glaube sie, es sei besser für ihn, wenn er in einem Orte lebe, wo es große „Lamdonim" gebe und sogar ein Rabbiner-Seminar sei, wie der „Orach", der am letzten „Seder"-Abend bei ihnen gewesen ist, erzählt habe. Das 'brächte doch viele junge Leut' hin, die mit ihm lernen könnten. Sie sehe schon, daß bei ihm die „Bachurim" sich versammeln würden, wie in dem „gebenschten" Hause ihres Vaters. Diesen habe sie um Rath geftagt und er stimme ihrem Plane auch zu. Auch für die Kinder halte sie es für besser, wenn sie in einer größeren Stadt wären. „Der Schadchen sind't uns dort leichter als hier", fügte sie, wie immer lächelnd, hinzu, „und es wird Zeit für sie." Salomon sah sie erst betroffen und hilflos an, als sie ihre kühne Idee entwickelte. Er kannte sie in all den Jahren ihrer Ehe nur in ihrer stillen Art, mit dem heimlichen Lachen ihrer Seele, heute aber stand in ihren Augen der Ausdruck der That. „Aber Rebekkeleben," wendete er ein, „was soll'n wir