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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 247

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die Toten
Date
1900-01-01
Page
Seite 247 (sequence 15)
Language
German
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247 arglosen Täuschung wurden sie nur durch die thörichten, grausamen Verfolgungen und Ungerechtigkeiten gezwungen, die man über sie verhängte. Zur Zeit aber als Rebekka Gins in das Haus ihrer Schwiegereltern kam, hatten die Juden verhältnißmäßig ruhige Zeiten. Man fühlte sich damals leidlich wohl und begehrte nicht mehr, als die Früchte schwerer, saurer Aabeit in einiger Ruhe genießen zu können. Den Ehrgeiz einer Gemeinsamkeit mit den Andersgläubigen hatte niemand, so wie man auch in späteren Jahren zufrieden war, daß die gewährleisteten Rechte wenigstens auf dem Papier standen. An ihre praktische Verwirklichung dachte damals in denkleinen Provinzstädtchen gewiß niemand. So bot ein Haus wie das Herzberg'sche alle Vorbedingungen eines zufriedenen, glücklichen Lebens, und das Lächeln und Kichern, daß Rebekka aus der Heimath mitgebracht, fand auch hier einen gesegenten Boden. Sie freute sich des Reichthums, der sie umgab, wenn sie ihn auch erst aus zweiter Hand empfing. Sie war noch selbst so jung, daß sie das als . ganz recht empfand und mit Genugthuung auf ihre statiöse Schwiegermutter blickte, wenn diese im schweren, golddurchwirkten Brokatkleid, den reichen Perlenschmuck über der Stirn, die großen goldenen Bracelets um die fleischigen Arme und das Halsband aus Edelgestein um den kropfigen Hals mit ihr in die Schul ging und dort hinter den vergitterten und verhängten Frauenchören einen ersten Platz einnahm. Sie saß dann neben ihr, auch sehr fein gekleidet, in Sammet und Seide und mit verdecktem Scheitel und fühlte sich ganz in der Würde der hohen Gelehrsamkeit ihres Vaterhauses und des Reichthums ihrer Schwiegereltern. Und dann zog das liebe, holde Lachen über ihr Antlitz und verstohlen kicherte sie in sich hinein in dem Glücksgefühl, daß Weisheit und Reichthum sich zu einer Krone über ihrem Haupte verschmolzen. Es war aber nichts von Ueberhebung in diesen Empfindungen, denn über allen stand die Güte und Reinheit ihres Herzens, und so lachte ihre Seele, süß und froh, wie wenn junge Tauben girren. So nur kannte sie ihr Mann, wenn er sich, in Pflicht und Liebe, vergönnte, sich ihr zu widmen. Sonst aber war sein ganzes Leben nur dem Studium geweiht und Tag um Tag und viele Stunden der Nacht saß er über der

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