Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die Toten
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 14)
- Language
- German
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246 stellten Hof, gelegenen Zimmern war das Heim der jungen Leute eingerichtet. In der größeren der beiden Stuben saß Salomon bei seinen Folianten, die kleinere bildete das Ehegemach. Die Malzeiten nahmen sie mit den Eltern gemeinsam in der „Wohnstube" ein. Die Einrichtung der beiden Familien, den Alten und den Jungen, gehörenden Wohnung war eine nach damaligen Begriffen schon sehr luxuriöse. Polstermöbel und große, schwere Truhen und Schränke bildeten einen Luxus, den nur die Reichsten sich gestatten konnten. Vor allem aber waren es die kostbaren Silbergeräthe, die dem Hause das Gepräge höchster Wohlhabenheit gaben. Die siebenarmige Lampe, die Schabbesleuchter, der Kidduschbecher, die Psomimbüchse, die Menora, die Sederschüssel und andere gottesdienstlichen und ritualen Handlungen geweihte Gegenstände waren ganz massiv, reich vergoldet und von einer Gediegenheit, die den Reichthum des Hauses würdig repräsentirte. Nur wenige Familien im Orte erfreuten sich gleicher Wohlhabenheit und von den vereinigten Silberschätzen der Rogasner wird die hübsche Anekdote erzählt, daß ihnen die Juden des Oertchens — Arm und Reich — einst die Möglichkeit verdankten, in der Provinz Posen bleiben zu dürfen. Als nämlich wieder einmal das Edikt ergangen war, — es war Anfang der Mer Jahre, — daß ein bestimmtes Vermögen nachzuweisen sei, in Baargeld oder im Besitz von Juwelen, Gold und Silber, um die Berechtigung zu erlangen, in der Provinz wohnen zu bleiben und das Silber, das die Einzelnen hatten, hierfür nicht ausreichte, that man Alles zusammen, was in der Gemeinde vorhanden war und jeden Morgen präsentirte ein anderes Gemeindemitglied es als seinen Besitz, um es am Abend in Säcken verpackt an andere abzuliesern. Und jeder bekam es, selbst die Aermsten, die auch nicht das kleinste silberne Löffelchen dazu hatten beisteuern können. Die behördlichen Revisoren sollen allerdings einigermaßen erstaunt gewesen sein, daß alle Juden genau die gleichen Silbergeräthschaften besäßen und vielleicht datirt daher die irrige Ansicht von dem Reichthum und Luxus der Juden — aber jedenfalls wurden sie dadurch vor der Ausweisung gerettet, bis bessere Zeiten kamen. Zu diesem unfreiwilligen Communismus. und dieser