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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 245

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die Toten
Date
1900-01-01
Page
Seite 245 (sequence 13)
Language
German
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245 heim, wenn die Sabbathlichte erstrahlten, um inmitten der Seinigen, nach mühseligem Tagewerk des Sabbaths, Friede und Ruhe zu genießen. Dann war um ihn der Glanz und die Würde der altpatriarchalischen jüdischen „Schabbes"- Gebräuche ausgebreitet und wie ein König erschien er im Kreise seiner Familie. Von seinen Kindern lebte nur noch Salomon, der jüngste, im Hause. Einige von ihnen waren früh gestorben, zwei Töchter und der älteste Sohn waren verheirathet und nach auswärts gekommen. Der Sohn war Geschäftsmann, wie der Vater, ebenso die Schwiegersöhne, so daß in Salomon allein sich das geistige Leben der Familie concentrirte. Der Vater liebte ihn deshalb mit einem aus Stolz und Zärtlichkeit gemischten Gefühl, die fernen Geschwister erkannten seine Gelehrsamkeit an und hatten eine besondere Verehrung für ihn, und die Mutter trug mit einem gewissen Hochmuth das Glück und die Ehre zur Schau, daß ihr Sohn ein Schüler und Eidam des Rabbi Elieser Gins sei und ein Lamden. Es hatte das damals nicht wenig zu bedeuten, und die Rogasner fanden, daß Frau Gittel Herzberg in der „Schul" ihren Kopf noch einmal so hoch trug, seit sie mit Rabbi Elieser Gins sich „meschaddech" gethan. In Liesen Lebenskreis war Rebekka getreten. Mit der Bescheidenheit und Unterwürfigkeit, die sie im Elternhause gewöhnt war, fügte sie sich den neuen Daseinsbedingungen. Die Freudigkeit ihrer Seele wurde auch durch die Herrschaftsgelüste ihrer Schwiegermutter nicht gemindert. Man kannte es damals nicht anders in jüdischen Häusern. Mit der Heirath gewann ein junges Mädchen nicht, wie heute größere Freiheit und Selbstständigkeit, sondern im Gegentheil noch abgeschlossener und engumfriedeter war das Frauenleben, wie das der Jungftauen. Nur dem engsten, intimsten Zusammenhang mit der Familie war das Dasein geweiht: Den ehelichen Pflichsten gegen den Gatten und der strengsten Beobachtung aller Gebräuche des Ehelebens und der fraulichen Sitten und Vorschriften. Den Haushalt mit allen seinen Complikationen leitete Frau Gittel. Sie ordnete sowohl Alles an, was ihre eigene gut gehaltne Wirtschaft betraf, als das, was ihr für ihren Sohn und sein Weib erforderlich schien. Ju zwei, nach einem, mit verkrüppelten Akazien be-

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