Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die Toten
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 12)
- Language
- German
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244 von jener Stunde an, wo sie Mitgefühl und Güte in seinen Blicken begegnete, als er ihr von dem Bachurimstreit erzählt hatte. So waren sie Mann und Weib geworden und in einen glücklichen, gesegneten Ehe hatten sie ihr Leben in Frömmigkeit und echter Jüdischkeit mit einander verbracht. Nach der Sitte der Zeit waren sie „auf Kost" in Salomons Elternhause. Es.war ein stilles, beschauliches Leben, das die jungen Eheleute führten. So weit es die Unselbstständigkeit, in der ein junges Paar nach der Sitte der Zeit gehalten wurde, zuließ, hatte Rebekka die Zügel des Hauses in die Hand genommen, damit ihr Mann durch keinerlei Zeitversäumniß am Lernen verhindert wurde. In Wirklichkeit aber gab es auch für sie wenig Beschäftigung. Noch herrschte die Schwiegermutter im Hause mit dem ganzen Uebergewicht einer stolzen und reichen „Balboste" der damaligen Zeit. Während der Vater Salomons die Geschäfte führte' und viel auf Reisen war, den Wohlstand der Familie unausgesetzt vermehrend, leitete sie das Hauswesen, und ihrem strengen, souveränen Selbstgefühl ordnete sich sowohl der Sohn, als dessen Frau bedingungslos unter. Es entsprach den allgemein gültigen Gebräuchen in den Familien, daß die Söhne, die zum Ruhm und zur Ehre des Hauses zu „Lamdonim" bestimmt waren, von den Mühseligkeiten des Erwerbens befreit wurden. Ihre Aufgabe bestand darin, die Talmudgelehrsamkeit zn gewinnen und sich nicht mit dem Verdienen zu beschäftigen. Das überließ man den minder Begabten und auch minder Geachteten des Familienkreises. Ein reicher Mann, wie Salomon Herzbergs Vater, betrachtete es als die größte Auszeichnung, einen Talmudgelehrten zum Sohn zu haben und die Früchte seiner Arbeit für ihn anzusammeln. Ihn selbst hatte das Leben ftüh Hinausgetrieben zu Handel und Geschäft und ihm war es nicht gegönnt, über die elementaren Vorstufen der Gotteslehre hinauszukommen. Um so größer war sein, Stolz, in seinem Sohne einen „Talmidchächam" zu wissen, und mit verdoppelten Fleiße und erhöhter Arbeitskraft sorgte er für das Gedeihen und die materielle Wohlfahrt des Hauses. Ost war er die ganze Woche unterwegs und kam erst