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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 243

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die Toten
Date
1900-01-01
Page
Seite 243 (sequence 11)
Language
German
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243 Aber bis die „Jomtowim" vorüber waren, wollte er warten. Der Jude der damaligen Zeit gehörte bis nach dem „Jom Kippur" nur seinem Gotte. Er war in diesen Wochen der religiösen Vorbereitungen und Weihen sür das Neujahrs¬ und Versöhnungsfest beinahe etwas Unpersönliches. Alle Wünsche und Hoffnungen gipfelten ausschließlich in der Versöhnung mit Gott, und vor den himmlischen Empfindungen, mit denen man die Seele erfüllte, schwiegen die irdischen Regungen. Es wurde Salomon nicht leicht in den morgendlichen Gebetsübungen der „Selichoszeit" sich ganz zu befreien von dem Gedanken an Rebekkas weinende Augen und ihren lächelnden Mund, aber er suchte seine Gefühle zu beherrschen. Mit jedem Tage kam er seinem Gotte näher und als er am Morgen vor dem Neujahrsfeste betete: „Ewiger! Gieb Deinem Volke Würde, Deinen Verehrern Ruhm, denen, die Dich suchen, Aussicht, und denen, die Deiner harren, Muth zum Reden..." da erfüllten frohe Hoffnungen seine Seele. Endlich war das Lanbhüttenfest gekommen. Und jetzt durfte er es wagen, mit Rabbi Elieser zn reden. Er hatte seinem Vater geschrieben und dieser war sofort herbeigeeilt. Zu lange schon hatte sein Sohn gezögert, und nach der Sitte der Zeit war es unerhört, daß er fast 22 Jahre alt war und noch nicht beweibt. Es lag daran, daß er spät erst auf die „Jeschiwe" zu Rabbi Elieser gekommen war. Nun aber war alles gut und die Wünsche der Eltern über alle Erwartungen erfüllt. Es bedurfte auch mit dem künftigen „Mechutten" keiner langen Auseinandersetzungen. Schlaume war uach jeder Richtung eine Partie nach dem Herzen des Rabbi. Er lernte ausgezeichnet, war von reicher und guter Familie und selbst ein „guter Jung." So wurde nach altjüdischer Gepflogenheit „Chalemod Sukkot" zum Schreiben der „Tnoim" fest gesetzt. Und Rebekka? Man theilte ihr die Thatsache mit und sie war einverstanden. Nicht nur wie es die Töchter Israels damals stets waren mit dem ihnen von den Eltern bestimmten Manne, sondern aus eigenen innigen Gefühlen. Ihre keusche Seele neigte sich ihm zu und in demütiger Scheu empfand sie, daß etwas zu dem „Bachur" ihres Vaters sie hingezogen habe.

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