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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 242

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die Toten
Date
1900-01-01
Page
Seite 242 (sequence 10)
Language
German
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242 im Hausflur begegnete, gerade als er sich zu ihrem Vater begeben wollte, hielt sie ihn an. Erröthend über das Ungewöhnliche dieses Schrittes stand sie ein Weilchen vor ihm, verlegen lächelnd, ehe sie die Frage vorbrachte, was am vorhergehenden Nachmittag sich unter den Bachurim ereignet hatte? Verwirrt blickte der junge Mann sie an, dann aber schilderte er ihr den Vorgang und fügte unbedacht hinzu, daß sie die Ursache des Zankes gewesen sei. Und nun gab es unter Rabbi Eliesers „Bachurim" einen, der seine Tochter nicht nur lächeln, sondern auch weinen gesehen hatte. Diese Thränen aber bildeten ein geheimnißvolles Band zwischen den jungen Leuten. Rebekkas Antlitz erschien ihm jetzt noch schöner, erhabener, seit er es im Schmerz gesehen. Die sanften, lächelnden Augen thränenschimmernd, um die holden Lippen etwas Wehmuthsvolles. War sie lieblich, wenn sie lachte, so war sie rührend, wenn sie weinte. Die leuchtende Sonne der Heiterkeit und der himmlische Thau des Schmerzes, die er in ihrem Antlitz gesehen, erfüllten sein Herz mit Wonne. Aber er mußte die Tage der hohen Feste, die nur der Heiligung und tiefsten Frömmigkeit gehören, vorübergehen lassen, ohne seinen Wünschen Worte zu leihen. Seine eigenen religiösen Empfindungen sagten ihm das, und Beispiel und Erziehung, die er in seinem Elternhaus genossen. Salomon Herzberg entstammte einer reichen und vornehmen Familie und betrieb seine Talmudstudien, um später als unabhängiger Mann freiwillig, aus innerstem Drange, sich der Beschäftigung mit den gelehrten Büchern zu widmen. So wünschten es die Eltern und das entsprach seinen eigenen Neigungen. Er war zu Rabbi Elieser gekommen, um zu seinen Füßen zu sitzen und aus dem unergründlich tiefen Born seiner Gelehrsamkeit zu schöpfen. Daß er neben der weisen Lehre nun aber noch seine eheliche Gefährtin aus diesem gesegneten Hause heimführen sollte, erfüllte ihn mit Glück und Stolz. Der Zustimmung seiner Eltern durste er sicher sein. Es galt als eine hohe Auszeichnung, sich mit Rabbi Elieser zu verschwägern, und er wußte, daß sein Vater es als besondere Ehre betrachten würde, wenn Rebekka seine Schwiegertochter würde.

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