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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 234

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die Toten
Date
1900-01-01
Page
Seite 234 (sequence 2)
Language
German
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234 Gelegenheit genug von Zeit zu Zeit den Wohnort zu verlassen und in anderen Städten einzukehren, und derartige Reisen Rabbi Elieser's galten in den interessirten Kreisen für Ereignisse. In jenen Tagen war das Reisen noch mit großen Umständen verknüpft und ein besonderer Apparat wurde in Bewegung gesetzt, um auch nur die kleinste Tour zu machen. Das gab dem Ganzen ein großartiges Gepräge und wenn Rabbi Elieser Gins eine Reise unternahm, geschah es mit einem solchen Aufgebot von Begleitung und Dienerschaft, im eigenen Wagen mit Relaisvorspann und sonstigen Erfordernissen, als ob ein Fürst unterwegs wäre. Der sonst sehr bescheidene und anspruchslose Mann konnte daran nichts ändern, da die einzige Möglichkeit rascher vorwärts zn kommen, von diesen außerordentlichen Vorkehrungen abhing. Seine privaten „ Reisen erhielten aber dadurch immer den Charakter des Öffentlichen und so bald bekannt wurde, daft Rabbi Gins nach da oder dorthin komme, meldeten sich alle die Gemeinden, deren Ortschaften er berühren mußte und baten ihn um die Ehre bei ihnen zu verweilen und wo das aus zeitlichen Gründen nicht möglich war, wenigstens eine Deputation in Empfang zu nehmen, an dem Posthause, oder der Ausspann, wo die Pferde gewechselt wurden. Zu einem wahren Triumphzug gestaltete sich stets eine solche Fahrt. Aus all den kleinen, weltvergessenen Oertchen, wo Juden, zu einem Gemeinwesen sich zusammengeschlossen hatten, kamen die Leute herbei, um den Rabbi zu sehen und seinen Segen zu empfangen. Die Vorsteher der Gemeinden gingen ihm entgegen, eingehüllt in den „Talles", die „Thora" in der Hand, um ihn zu begrüßen und Worte der Ehrfurcht und Frömmigkeit an ihn zu richten, mit denen sie das Glück priesen, ihn zu sehen. Und Rabbi Elieser nahm diese Huldigungen an in Demuth und Herzensreinheit. Kein Stolz, keine Eitelkeit, keine hochmüthige Regung wurden in seiner Seele wach. Er betrachtete sich nur als von der Menge ausgezeichnet, weil er dem Gotte der Väter diente, und weil er sein Leben der heiligen Lehre geweiht hatte und nur eine Aufgabe kannte, ihren tiefen Inhalt auszuschöpfen und zu deuten. Und fo war es dem einfachen, schlichten Manne möglich, die Ehrungen hinzunehmen, mit denen man ihn über-

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