Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Übergang
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 7)
- Language
- German
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213 So vergingen fünf Jahre. Da endlich kam das Glück. Ein Regenmantelfabrikant, freilich schon in den Vierzigern, erschien; das Eis war gebrochen, und der erste Myrthenkranz blühte dem Peyserschen Hause. Rebekka, die jüngste der jüdischen Gruppe, war die Bahnbrecherin; aber ihre Heirath gab allen, sogar der ältesten, einen Schimmer neuer Jugend. Und geheimnißvolles Wunder! Im Zeitraum von wenigen Monaten wurden zwei andre Mädchen von Mrs. Peysers Schultern genommen, ein jüdisches und ein christliches, obgleich Sylvia eigentlich noch nicht formell eingesührt war. Und obgleich Lea, die älteste, noch immer nicht gewählt war, gab Sylvias Heirath in ein Bayswater Haus der Familie einen höheren Standpunkt, ein besseres Feld für Operationen. Der Schadchen wurde kalt entlassen. — Aber er kehrte zurück. Denn trotz all dieser Aussichten und Hoffnuungen kam einer neuer arktischer Winter. Keine Orangenblüthen, nur traurige, fruchtlose Courmacherei. Die christliche Gruppe war bereits zur vollsten Jungfräulichkeit erblüht, der Horizont' verdunkelte sich, der „junge Mann" wurde wieder älter, er verlor Geld und wollte, daß Daniel ihm ein Geschäft ausmache. Sogar das erschien besser als ewige Jungfernschaft und Lea wäre sogar gern ins väterliche Leihhaus zurückgekehrt, — da kam eine zweite glückliche Heirathsepidemie und entführte in einem Zeitraum von 18 Monaten alle, außer Schnapse. Mrs. Peyser war ganz nervös von all dieser Aufregung. Zuerst kam ein reicher deutscher Banquier, dann ein wohlhabender Anwalt für Lea, zuletzt ein Finanzmann, jeder für sich allein ein Fang, den Neid der Nachbarn zu erregen. „Habe ich es dir nicht vorher gesagt", sagte Mrs. Peyser mit mütterlichem Stolz, als die sechste Braut unter einem Hagel von Rosen-Reis die Villa in Highbury verlassen hatte. „War es nicht gut, daß wir nach London kamen?" Daniel drückte ihr stumm die Hand als Zeichen der Dankbarkeit für das Glück, das sie sich und den Töchtern verschafft hatte. „Wäre es nicht Florence wegen" sagte sie nachdenklich. „Ach die kleine Schnapse", seufzte Daniel. Unwillkürlich