Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Übergang
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 2)
- Language
- German
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208 denn er halte Geld gespart, seitdem er als Knabe aus Deutschland eingewandert war. Und das Geld hatte ihm gute Zinsen gebracht, seitdem er es in einem kleinen Badeorte angelegt hatte, der sich schnell zu einem bedeutenden Badeorte ausgebildet hatte. Sogar wenn er jeder Tochter 3000 Pfd. Sterling Mitgift gab, blieb chm noch immer ein hübsches Vermögen. Es war auch sonst kein Grund vorhanden, daß sie nicht ebenso auftreten konnten wie die Benjamins und Rosenweilers. Der Vater mußte zugeben, daß seine Mädchen sogar gebildeter und hübscher waren als die Töchter dieser Pioniere, besonders wenn alle sechs um ihn herumsprangen, ihn herzten und küßten, baten und flehten. „Ich sehe aber nicht ein, wozu wir das Geld hinauswerfen sollen", warf er ein. „Hinauswerfen", riefen sie wie aus einem Munde und verzogen höhnisch die Lippen. „Ja, ja, hinauswerfen", beharrte er; „in Indien tritt man auf Diamanten und Gold, aber in London kostet das Pflaster, auf das man tritt, Diamanten und Gold". „So werden wir also nie einen Enkel erleben," rief Mrs. Peyser fast weinend dazwischen. Das gab den Ausschlag. Die indische Frage blieb unerledigt, aber die kleine Schnapse, die den Familiendebatten mit kindlicher Aufmerksamkeit folgte, hatte noch Jahre hindurch in ihrer Phantasie das Bild vor Augen, daß sie mit nakten Füßen über scharf geschnittene Diamanten und kieslieges Gold dahinschritt. II. Der alte Peyser mußte nachgeben und sein thätiges Leben in Portsmouth mit dem Müßiggang in London vertauschen; denn sieben Frauen waren gegen ihn. Und so breitete denn die Familie frohen Mutes ihre Schwingen aus und ließ sich in der Wunderstadt London nieder. Nur der alte Daniel und die kleine Schnapse fühlten beim Verlassen von Portsmouth einen wirklichen Verlust. Er