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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 204

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
David Kaufmann
Date
1900-01-01
Page
Seite 204 (sequence 9)
Language
German
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204 Seligman Heller gegeben, als deren Frucht „Die echten hebräischen Melodien" anzusehen sind. Es war kein Leichtes, indas Gemüth dieses eigenartigen, edlen aber felsenharten Mannes einzudringen und den in der Tiefe verborgenen Quell zum Aufsprudeln zu bringen. David Kaufmann hat das Wunder vollbracht und so lange „Die echten hebräischen Melodien" rauschen, werden Heller und Kaufmann gemeinsam genannt werden. Wie die „Melodien" in der Uebersetzungs-Litteratur zu den schönsten und herrlichsten gehören, ebenso gehören die Blätter, die Kaufmann ihnen vorausgeschickt, zu den schönsten, rührendsten, zartesten, die ich je gelesen. Ich kann mir nicht versagen, hier eine Stelle herauszugreifen, welche für Heller und Kaufmann gleich characteristisch ist.x) „Mir war es, wenn ich Heller erst dazu drängen mußte, sich des Schatzes der jüdischen Poesie des Mittelalters zu bemächtigen, als müßte man Jemand nöthigen, die Herrschaft über ein Gebiet anzutreten, das nur darauf gewartet zu haben scheint, ihn als Herrscher ausrufen zu können. Nie war ein Mann wunderbarer vorbereitet und wie ausersehen, eine große Aufgabe zu lösen als er ... . Wie in ein verlorenes Zauberland trat er da in eine Welt, die in traumhafter Schönheit seit den Tagen seiner Jugend in seinem Geiste geschlummert hatte .... Wie im ersten Grün, im jungen Thau, so stand der ganze Liedersrühling der Muse Juda's vor seinem begeisterten Blicke, es war ein Blühen und Leuchten, von dem die Seele ihm wieder hell und weit wurde. Auf wie viel fremden Fluren hatte sein irrender Fuß geweilt, an wie viel fernen Quellen sein unstillbarer Durst nach Schönheit sich gestillt, jetzt war er in der Heimath, wo die Brünnlein so viel tiefer laben, die Gräser so viel kräftiger duften! Bei Griechen und Römern, bei Indern und Persern war er zu Gaste gewesen, den ganzen Bildersaal der Weltlitteratur hindurchgeschritten, im Pantheon der Schönheit aller Zeiten vor jedem seiner Heroen in andächtiger Vertiefung und Huldigung stehen geblieben, bevor er in dem stillen Heiligthume aus seiner Kindheit Tagen 1) Die echten hebräischen Melodien S. IV ff.

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