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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 203

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
David Kaufmann
Date
1900-01-01
Page
Seite 203 (sequence 8)
Language
German
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203 Ein Gegenstück zum „Ahnensaal", an dessen Eingang der Genius Heinrich Heines leuchtet, bildet eine andere in die Kategorie der Familiengeschichten fallende Arbeit: „Die Memoiren der Glückel von Hameln", ein seltsames Buch, von einer einfachen Frau jüdisch-deutsch niedergeschrieben, welche das Leben jüdischer Familien in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit all den täglichen Sorgen und Plagen schildert und festhält. Wenn irgend ein Buch, so ist es in erster Reihe dieses, das Kaufmanns Familiensinn sein Entstehen verdankt. Kaufmann selbst charakterisirt die schlichte Frau mit folgenden Worten: *) „Sie war gewiß, wie sie in der Bescheidenheit ihres Herzens es selber sagt, nur Eine von Vielen, aber ein Typus, der festgehalten zu werden, in seinem vollen Gepräge auf die Nachwelt zu kommen verdient hat. Der Nachgeborene hat bei ihrem Bilde das Gefühl, an der Quelle, an dem heiligen Ursprünge zu stehen, aus dem die geschlechterhaltende Kraft des Stammes, das Leben der Gesammtheit, strömt. Von solchen namenlosen Heldinnen, von solchen Müttern schreibt sich der Segen, die Unverwüstlichkeit her, die das Erbe von Generationen bilden .... Eine Frömmigkeit, welche die Gesundheit und Heiterkeit der Seele, das Geheimniß der Lebenskraft bedeutet, bildet'den Grundzug in ihrem Wesen." Glaubt man da nicht das Bild seiner Mutter zu erkennen, an der er mit unendlicher Zärtlichkeit und Liebe hing, der Frau, die in ihn den Keim alles Guten gelegt, der ihr dann so herrlich erblühen sollte? Die einfache Frau nahm Antheil an seinem Denken und seinem Thun und wurde zu seiner Höhe emporgehoben, und als sie der schwerste Schlag traf — da beugte sie ihr Haupt in Ergebung und sagte: „Gott habe ihr in diesem Sohne mehr gegeben als sie verdient". Kaufmanns Begeisterung für die Wissenschaft und die Litteratur des Judenthums entfachte auch in Andern die heilige Flamme und die Anregungen, die er gegeben, sind meistentheils auf fruchtbaren Boden gefallen. Auf keine andere aber darf er stolzer sein, als auf die Anregung, die er i) Die Memoiren der Glückel von Hameln (Vorwort XXVIII.)

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