Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- David Kaufmann
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 7)
- Language
- German
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202 UM den sich Alles drehte und bewegte, wie er seinerseits die Lasten und Sorgen Aller in seiner tief empfindenden Seele trug, so brachte man chm und seinen wissenschaftlichen Arbeiten in dem neuen Familienkreise, seine hochgebildete Gattin Allen voran, das wärmste und regste Interesse entgegen, dessen er so sehr bedurfte; so fügte er sich in den neuen Kreis mit all der Innigkeit ein, die seinem Wesen eigen war. Wie dem Dichter jedes innere und äußere Erlebniß oft in Poesie umgemünzt wird, so verwandelte sich ihm alles in Geschichte. Er suchte den Ursprung dieser Familie zu ergründen und stieß bei dieser Bloßlegung verschütteter Trümmer aus einen Complex von Familien, die segensreich im Judenthum gewirkt und durch ihr öffentliches Wirken auch der Geschichte der Zeit angehören. Diese Arbeiten forderten nicht nur einen opservollen, vieljährigen Sammelsleiß, da die Akten erst ausgespürt und zusammengetragen werden mußten, sie setzten auch außergewöhnliche archivalische Kenntnisse voraus. „Aber hier ist wirklich einmal" — wie Kaufmann sich ausdrückt — „stärker als der Tod die Liebe: der unerschrockenen Hingebung im Errathen und Erforschen erschließen sich die Pforten, die den Zugang zum Todtenreiche der Vergangenheit wehren. Verwehte Spuren eröffnen den Weg, verschollene Winke zeigen die Richtung, in der Friedhofsstille wird es lebendig wie von verwehten Tönen, zersprengte Trümmer sammeln sich, auseinandergesallene Glieder finden sich zusammen — die Erde giebt ihre Schatten wieder." *) Die „Familiengeschichten" haben in einem speciellen Fall ein Helles Licht auf eine Persönlichkeit geworfen, die dem Pantheon der Weltlitteratur angehört, nämlich auf Heinrich Heine. Es mag einen eigentümlichen Reiz für den Physiognomiker haben, das holde Bild der Schönheit mit den verwandten Familienzügen zu vergleichen und die Einzelheiten festzustellen, welche vereinigt das Götterbild schufen. In ähnlicher Weise mustert Kaufmann in Heinrich Heines „Ahnensaal" die Bilder Jener, welche ihm die Gestalt Heinrich Heines erklären sollen. T) Samson Werth eimer S. VIII.