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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 201

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
David Kaufmann
Date
1900-01-01
Page
Seite 201 (sequence 6)
Language
German
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201 Wohl hat es der Naturwissenschafter besser, auch schon, wenn er die Frage stellt an die Natur; er kann jeden Augenblick die Probe auf die Richtigkeit seiner Antwort machen. Aber ganz in's Leere starrt auch das Auge der Geisteswissenschaft nicht. Es giebt auch in der Welt des Ahnens und Vermuthens eine Bezeugung der Wahrheit, ein Auftauchen von Stimmen der Bestätigung und Bekräftigung wie aus dem Jenseits her, ungesuchte und unerwartete Bestätigungen, die der neueste Bundesgenosse der geschichtlichen Kritik, die Haue und der Spaten, ans Licht bringen kann. Aber auch vorher schon trägt hier jede Hypothese so viel Wahrheit in sich, als sie Räthsel lösen und Erscheinungen erklären hilft." Kaufmann gehörte zu jenen Schriftstellern, die aus der Fülle schöpfen, seine Bekanntschaft und Vertrautheit mit den Dingen drängte ihn zur Schilderung derselben. Es liegt nichts Angelerntes in den nicht streng zu seinem Fache gehörenden Kenntnissen, sondern abgeklärtes Wissen, das durch feine Persönlichkeit durchgegangen und von ihm sich abgelöst hat. Dies zeigt sich im Großen wie im Kleinen. Wer z. B. seinen Aufsatz: Jacob Mantino, une page de l’liistoire de la renaissance (1899) liest, muß den Eindruck gewinnen, daß er aus der tiefen Kenntniß der Renaissance stammt. Aus der einen Quelle, dem Universalismus im Wesen Kaufmanns, flössen die Arbeiten, welche Beiträge zur Geschichte der Philosophie, der Naturwissenschaften und der Kunst lieferten. *) Aus seiner Liebe zu den Naturwissenschaften und seiner Versenkung in die Gebilde der Kunst schöpfte er die Kraft, neue Gebiete zu erschließen und der jüdischen Geschichte neue Wege zu weisen. Aus der andern Quelle, aus seinem scharf ausgeprägten Familiensinn, flössen die Arbeiten, welche er selbst mit dem Gesammttitel: „Zur Geschichte der jüdischen Familien" bezeichnet hat. Durch seine Heirath trat er in Verbindung mit einer alten, berühmten jüdischen Familie, der Familie Gomperz. Wie er in seinem väterlichen Hause den Mittelpunkt bildete. *) Vergl. besonders: Zur Geschichte der Kunst in den Synagogen (1897) und: Zur Geschichte der jüdischen Handschriften-Jllustration (1898).

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