Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- David Kaufmann
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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199 Einem Menschenkinde von der geistigen Begabung und der zarten Gemüthsart Kaufmanns konnte keine Periode der jüdischen Geschichte congenialer sein als die der arabischspanischen Epoche. Das Ideal seiner Seele: Universalität und Judenthum vereint, schien ihm hier nahezu erreicht zu sein. Männer der Wissenschaft, Aerzte, Mathematiker, Diplomaten, die bei all ihrer auf das Allgemeine gerichteten Thätigkeit das überlieferte Erbe, das jüdische Schriftthum, Hochhalten und vermehren, die ihrem Fürsten und ihrem Lande treu dienen und dabei sich um hebräische Poesie und Grammatik große Verdienste erwerben — in diesen Menschen schien ihm die Harmonie der Seele erzielt zu sein, zu der er sich durchzuringen suchte. Sein auf das Universelle gerichteter Geist konnte an philologischen Specialuntersuchungen allein kein Genüge finden, er ging auf das Wesen der Dinge los. Und wo ist das Wesen einer Kultur und Litteratur wohl schärfer zum Ausdruck gebracht als in der Religion und der Philosophie? So war er mit seinem reichen Wissen aus dem Gebiete der Philosophie, seinen umfassenden Kenntnissen in den Sprachen, bei dem ihn stets durchwühlenden Kampf zwischen Universalismus und Judenthum wie Wenige geeignet und berufen, die Geschichte der Religionsphilosophie zu schreiben. In einem Alter, wo Andere noch auf der Schulbank sitzen, trat er mit einem Werke, das ein halbes Tausend Seiten zählte, mit einer Geschichte der Attributenlehre in der jüdischen Religionsphilosophie hervor (1877), nachdem er schon früher in die Sitzungsberichte der Kaiser!. Akademie der Wissenschaften einen Vorläufer „Ueber die Theologie des Bachja ibn Pakuda" vorangeschickt hatte. Wie die erste größere Abhandlung Kaufmanns eine religionsphilosophische war, so war es auch seine letzte, bei deren Correctur ihn der Tod überrascht hat: „Studien über Salomon ibn Gabirol" (1899). Dazwischen liegen zahlreiche kleinere und größere Arbeiten, aus denen ich nur eine: „Die Sinne, Beiträge zur Geschichte der Physiologie und Psychologie im Mittelalter" (1884), herausgreifen möchte. Sie ist neben der Geschichte der Attributenlehre für Kaufmanns Arbeitskraft und den Umfang seines Wissens charakteristisch. Als