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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 198

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
David Kaufmann
Date
1900-01-01
Page
Seite 198 (sequence 3)
Language
German
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198 für jüdische Geschichte und jüdisches Wissen herrscht, dort wird auch der Name Kaufmanns genannt und gepriesen. Es ist kein Gebiet in der weitschichtigen nachtalmudischen Litteratur, wo Kaufmann nicht mitgearbeitet, keines wo er sich nicht als Meister und Wegweiser bewährt hätte. Nicht nur in zahlreichen größern Abhandlungen, sondern auch in zahllosen Artikeln in Fachzeitschriften hat er die Resultate seines Sammelsteißes und seine Forscherarbeit niedergelegt. Man kann in der zeitlich wie örtlich weit verzweigten Litteratur keinen Schritt unternehmen, ohne auf die Spuren seiner geistigen Arbeit zu stoßen. Die Universalität seines Geistes ist sein großer Vorzug. Sie hebt ihn aus der Menge der Gelehrten heraus, die in einseitiger Vertiefung ihre Arbeit leisten und sich den übrigen großen Problemen verschließen. Andererseits bildete seine Liebe zum Judenthum den Kern seines Wesens, den festen Punkt, um den sich sein Universum krystallisirte. Zwei Seelen wohnten in seiner Brust. Die eine drängte ihn, allen Erscheinungen des Lebens, allen Problemen der Wissenschaft und der Philosophie nachzugehen und sich Einblick in alle Zweige . der Kunst und der Litteratur zu verschaffen; sein Interesse war stets rege und es gab keine neue Erfindung und Entdeckung, der er nicht seine Aufmerksamkeit zugewendet hätte, kein Gebiet lag ihm allzufern, keines blieb ihm verschlossen. Die andere wurzelte in seinem Familiensinn, in seiner Liebe zum Judenthum. Sie lehrte ihn an allen Sorgen des täglichen Lebens, welche die jüdische Familie, die jüdische Gemeinde und die jüdische Religionsgenoffenschast bewegen und bedrücken, aufrichtigen Antheil zu nehmen und ihnen ein warmherziges Verständniß entgegenzubringen. Die Universalität Kaufmanns einer- und seine Liebe zum Judenthume andererseits wirkten in seiner fein empfindenden Seele in einer ganz eigentümlichen Weise. Er suchte den Gegensatz von Universalität und Judenthum nicht verstandesmäßig zu lösen, wie die jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters — ihm war der Gegensatz eine peinliche Empfindung, an der er sein Leben lang zu leiden hatte. Seine Arbeiten bilden gewissermaßen die Lösung, die Katharsis in diesem Seelenkampfe.

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