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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 191

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die neue hebräische Litteratur
Date
1900-01-01
Page
Seite 191 (sequence 25)
Language
German
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191 unter den russischen Juden. Man sah sich bitter enttäuscht, und die Reaction gegen die früheren Bestrebungen konnte nicht ausbleiben. Um jene Zeit schrieb Smolensky seine be- Leits erwähnte kleine Erzählung: ״Haß und Rache", die deshalb, weil sie den richtigen Ton fand, und weil sie den weiften Juden in Rußland aus der Seele sprach, einen mächtigen Widerhall hervorrief. Der Dichter L. Lew in, der in früheren Jahren eifrig der Aufklärung das Wort geredet hatte, schloß sich nunmehr der zionistischen Bewegung an, die damals zuerst ins Leben trat. Dasselbe that auch Lilienblum, der seine früheren reformatorische Idealen formlich abschwor. Ich bekenne, daß ich in jenen Jahren in der hebräischen Wochenschrift ״Hamagid" ebenfalls, mit jugendlicher Leidenschaftlichkeit für den politischen Zionismus eingetreten bin. Es war damals, um mit Heine zu sprechen, eine ״schwüle, irritirte Zeit". Ueberall in der Judenheit war ein großes Unbehagen zu merken; man fühlte die Vorboten eines großen Sturmes, der auch in der Folge nicht ausgeblieben ist. Die nationale Idee wurde in dieser bewegten Zeit das Schibbolet der osteuropäischen Judenheit. In der Litteratur machte sich dies bemerkbar. Zuerst waren entschieden zionistisch die Wochenschrift ״Hamagid" (damals von D. Gordon in Lyck redigirt) und die Monatschrift ״Haschachar", die erst im Jahre 1884 mit dem Tode Smolenskys einging. Später trat auch die Zeitschrift ״Hameliz" hinzu, die in jenen Tagen nur zweimal wöchentlich erschien (jetzt ist sie in ein Tageblatt mit gleicher Tendenz umgewandelt), während N. So ko low in dem Wochenblatt ״Hazefirah" (jetzt ebenfalls in ein Tageblatt mit radical zionistischer Tendenz gewandelt) heftig den Zionismus bekämpfte. Jedenfalls entsagte man den assimilatorischen Bestrebungen; manche gingen sogar soweit, der ganzen abendländischen Kultur den Rücken kehren zu wollen. Es ging wieder ein starker religiöser Zug durch die Litteratur: in der Aufklärung, dem Ideal der früheren Epoche, hatte man eben ein Haar gefunden. Indessen klärten sich die Meinungen Anfangs des letzten Jahrzehnts, wenigstens hörte der babylonische Wirrwarr auf, der während der achtziger Jahre in der hebräischen Litteratur

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