Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die neue hebräische Litteratur
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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189 eine junge Wittwe und ein Knäblein im zartesten Alter, denen nun die Gemeinde großmüthig ihre Hilfe anbietet. Die Wittwe weist jedoch die angebotene Unterstützung zurück, sie tritt mit ihrem Kinde zu der orthodoxen Kirche über. Sie wolle ihr Söhnlein dem Machtbereich der ״Kehilla" entziehen und verhindern, daß es später gleich seinem Vater ״wie ein Esel verscharrt" würde. Trotz mancher Uebertreibung und mancher störenden Längen ist dieser Roman von einer ergreifenden Tragik. Der Schluß wirkt durch die ungewollte bittere Ironie, indem über das glückliche Ende des tyrannischen Parnas berichtet und das Epitaphium des ״selig Entschlafenen" wortgetreu wiedergegeben wird: Der um Freiheit ringende Jakob Chajjim (der Held des Romans) geht in Schimpf und Schande, in Noch und Elend zu Grunde und wird ״wie ein Esel verscharrt"; aber der ״fromme" Parnas, der auf die Dummheit und Vertrauensseligkeit der Menge rechnete, lebt nach der Inschrift auf seinem Grabstein auch nach seinem Tode ״in dem Andenken der Gerechten" fort. Außer diesem Roman hat Smolensky noch mehrere geschrieben, die jedoch alle (״Der Triumph des Falschen", ״Hochmuth und Fall", ״Die Vergeltung der Gerechten", ״Das Erbe") ziemlich werchlos sind. Seine letzte Erzählung ״Haß und Rache", die im ersten Band dieses Jahrbuches in deutscher Uebersetzung erschienen ist, ist eine Tendenzschrist gegen die assimilatorischen Bestrebungen der modernen Juden. Smolensky war auch als Publizist von großem Einfluß. Er gründete im Jahre 1869 die Monatschrist ״Haschachar" (Morgenröthe), in der er zahlreiche Aufsätze über Juden und Judenthum veröffentlichte. Anfangs ohne klares Ziel über sein Wollen und Streben, verbiß er sich später in seinem Haß gegen die westeuropäische Judenheit und gegen Moses Mendelssohn, den er offenbar niemals gelesen, jedenfalls wenn auch gelesen, gewiß nicht verstanden hat. Er insinuirte Mendelssohn, dieser hätte die nationale Zukunft des jüdischen Stammes negirt, was aber keineswegs der Fall ist; er legte Mendelssohn die bekannte Phrase in den Mund, ״die Juden seien keine Nation, sondern blos eine Religionsgenossenschaft". Ohne uns über die Berechtigung dieses Ausspruches in eine