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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 188

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die neue hebräische Litteratur
Date
1900-01-01
Page
Seite 188 (sequence 22)
Language
German
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IRI
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188 daher sein Leben lang ein ״Irrender" blieb. Psychologisch ist das Leben dieses Irrenden höchst unwahrscheinliche die geschilderten Ereignisse sind die Ausgeburt einer wilden, künstlerisch ungeregelten Phantasie; die schrecklichsten Greuelthaten werden da der Reihe nach verübt, Verbrechen aus Verbrechen begangen, allerhand Grausamkeiten und Greuelthaten wechseln im Roman ab. Da ist ein Bösewicht Namens Manasse geschildert, der Sues Jakob Ferrand (in den ״Geheimnissen von Paris") ähnlich ist, wie ein Ei dem andern. Es ist gar kein Wunder, daß dieser Roman so viele Leser fand; er macht bei der Lektüre einen erschütternden Eindruck und erhält das Gemüth der Leser in immerwährender Spannung. Ohne Humor — denn wo der Verfasser humoristisch sein will, versagt sein Talent —, ohne jede Abwechselung müssen wir uns durch einen Haufen Nervenkranker und Verbrecher durcharbeiten, und wenn wir das Buch zu Ende gelesen, athmen wir förmlich auf und rufen aus: Gott sei Dank, es ist ja keine wahre Begebenheit! Einigermaßen gelungen sind nur die Schilderungen aus dem kleinbürgerlichen Leben der russischen Juden. Der Verfasser, der selbst eine freudlose Jugend als Bettlerknabe durchgemacht hat, kannte dieses Leben sehr gut und weiß davon eingehend zu erzählen. Der ganze Roman athmet einen glühenden, in dieser Uebertreibung gewiß ungerechten Haß gegen den Chassidismus. Hingegen wird er nirgends boshaft gegen die orthodoxen Juden, denen er im Gegentheil oft warm und zumeist auch zutreffend das Wort redet. Werthvoll ist der zweite Roman Smolensky's: ״Wie ein Esel verscharrt" (Keburat Chamor). Da wird das Leben eines begabten jungen Mannes in einer kleinen jüdischen Gemeinde geschildert, der sich gegen die Gemeindetyrannei auflehnt und dann zum Aeußersten getrieben wird. Der mächtige Gemeinde-Parnas verfolgt den hoffnungsvollen Jüngling mit allen ihm zu Gebote stehenden Hilfsmitteln, treibt ihn dazu, ein gefürchteter Denunziant gegen seine Glaubensgenossen zu werden, schneidet ihm jede Möglichkeit ab, sich mit der Gemeinde zu versöhnen. Der unglückliche Mann wird schließlich auf Anstiften seiner Feinde meuchlings ermordet und dann wie ein Hund verscharrt. Er hinterläßt

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