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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 187

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die neue hebräische Litteratur
Date
1900-01-01
Page
Seite 187 (sequence 21)
Language
German
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IRI
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187 scheinung. Ohne jede Bildung — nicht einmal im exclusiven Sinne der jüdisch-theologischen Kenntnisse — und selbst ohne gründliche Kennchiß der hebräischen Sprache wurde er sür einige Zeit tonangebend in der hebräischen Litteratur. Er debutirte Ende der sechziger Jahre mit einer kleinen Erzählung aus dem polnischen Aufstand vom Jahre 1863 (im antipolnischen Sinne, welcher Gesinnung er Zeit seines Lebens treu blieb), lebte dann einige Zeit als Privatlehrer des Hebräischen in Odessa und kam um die Zeit des deutschfranzösischen Krieges nach Wien. Es mag als Kuriosum erwähnt werden, daß sich Smolensky damals als heftiger Gegner des französischen Volkes und als ein warmer Freund Deutschlands, namentlich Preußens, zeigte. Die osteuropäischen Juden schwärmten in jenen Tagen fast alle sür Frankreich, ״für das Land der Freiheit und der Menschenrechte". Smolensky schildert aber die Franzosen als ein verblendetes, von den Jesuiten irregeleitetes, der Prahlsucht ergebenes Volk, dem er die Niederlagen im Krieg als gerechte Sühne für die jesuitische Verlogenheit gönnte. Man muß es dem Mann eingestehen 1 das was er unmittelbar nach dem blutigen Krieg über Frankreich niederschrieb, zu einer Zeit, wo sich doch bei Vielen das Mitleid sür die hart gestrafte Nation regte, paßt auf die heutigen Zustände in Frankreich buchstäblich. In diesem Punkt hat sich Smolensky als Dichter, mit einem weit reichenden Seherblick begabt, bewährt. Der erste große Roman Smolenskys, der mehrere Auflagen erlebt und einen ungeheuren Einfluß ausgeübt hat, war ״Der Irrende auf dem Lebenspfad" (Hatoe bedarke Hachajim), der zuerst in drei Bänden erschien, in der zweiten Auflage kam der vierte Theil hinzu, der künstlerisch ohne Werth ist, in dem sich aber das oben geschilderte Urtheil über die französische Nation findet. Der Roman hat seiner Zeit großes Aufsehen erregt, ähnlich der Sensation, die Sues ״Geheimnisse von Paris" in den vierziger Jahren hervorgerufen hat. Er wurde von der jüdischen Jugend förmlich verschlungen. Künstlerisch ist höchstens nur der erste Theil dieses Romans von Bedeutung. Es wird da das Leben eines armen Waisenknaben geschildert, der, ohne Erziehung und sich selbst überlassen, jedem Einfluß von außen preisgegeben war und

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