Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die neue hebräische Litteratur
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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183 gleich prächtig in seinem Colorit wie in der Composition. Die Sprache ist edel und getragen, aber ohne Schwulst und gekünsteltes Pathos. Obwohl der Musivstil vorherrschend ist, fühlt man nirgends dessen Lästigkeit. In demselben Genre, aber noch farbenreicher ist gehalten ein zweiter biblischer Roman Mapus: ״Die Schuld Samarias" (Aschmat Schomron), der im Nordreich in der letzten Zeit seines Bestehens spielt. Es ist dies ein historisch-politischer Roman, und entsprechend der vegetarischen Ueppigkeit Nord- Palästinas und der wilden Romantik dieses wälderreichen Gebirgslandes sind auch Ton und Farbe des Gemäldes ganz anders gehalten. Wir haben hier keine Dorfidylle vor uns, sondern das Bild des wildbewegten Lebens, das sich in einem großen, einst mächtigen Staat vor dessen Untergang abspielte. An dichterischer Schönheit übertrifft dieser zweite Roman den ersten. Aus einem ganz anderen Gebiet bewegt sich der dritte große Roman Mapus: ״Der Scheinheilige" (Ajit Zebua), der in Rußland und in den sechziger Jahren spielt. Wie mir Kenner berichten, sind in diesem Roman manche bekannte Personen aus Kowno, wo der Verfasser gelebt hat, mit Naturtreue abgebildet. Dieser Roman ist eine Tendenzdichtung gegen Bigotterie und bildungsfeindliche Orthodoxie; er hat seiner Zeit die jüdische Jugend in Rußland mächtig angeregt, andererseits aber auch den heftigsten Zorn der Fanatiker hervorgerufen. — Eine kleine Erzählung desselben Dichters aus der Zeit der Sabatai-Zebi-Bewegung ist unvollendet geblieben. Viel erfolgreicher noch wirkte Jehuda Lob Gordon mit seinen Tendenzdichtungen gegen die bildungsseindliche Orthodoxie. Gordon war eine Kampfnatur, dabei überwog stets die polemische Tendenz die dichterische Aesthetik. Wohl war sein Erstlingswerk ein biblisches Epos, das die Liebe des Königs David zu Michal, der Tochter des Königs Saul, zum Inhalt hat. Später schrieb er ein Fabelbuch, das in vielen jüdischen Schulen Rußlands und auch im Orient als Lesebuch für die jüdische Jugend benutzt wird. Indessen ging Gordon bald zu der Tendenzdichtung über, in der er bisher unübertroffen blieb. Selbst solche Gedichte, in denen