Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die neue hebräische Litteratur
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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182 namentlich gegen die Rabbiner und die Gemeindeführer, welche die Jugend von jeder Berührung mit der nichtjüdischen Welt zurückhaltm wollten. Die Litteratur der sechziger Jahre war daher dem Kampf und der Polemik gewidmet. Diesen Bestrebungen widmeten sich zwei große Dichter, die in der Geschichte der hebräischen Litteratur ein goldenes- Blatt verdienen: Abraham Mapu und Jehuda Lob Gordon. Abraham Mapu besaß ein großes Erzählertalent. Sein erster Roman ״Die Liebe Zions" (Ahabat Zijon), der in deutscher Uebersetzung (unter dem Titel ״Tamar") bekannt ist, kann als eine Perle der hebräischen Dichtung bezeichnet werden. Der Roman spielt in der biblischen Zeit, um die Epoche des Unterganges des Nordreichs (etwa 720 v. Chr.); der Schauplatz ist indessen abwechselnd Jerusalem und das romantische Betlehem. Ter Held der Erzählung ist ein junger Patriziersohn, der durch ׳ eine Reihe von Jntriguen und betrügerischen Machinationen in Unkenntniß über seine Abkunft erzogen werden muß. Da ihm von einem mächtigen Feind der Untergang droht, so wird er von dem treuen Oberhirten seines in die Gefangenschaft gerathenen Vaters entführt und als einfacher Hirtenknabe erzogen. Als solchen rettet er das Leben der schönen Tamar, der Tochter eines reichen judäischen Patriziers, der mit dem Vater des Hirtenjünglings einen Freundschastsbund für das Leben geschlossen hatte. Zum Dank wird Amnon — so heißt der junge Hirt — nach Jerusalem in das Haus Jedidjas, Vaters der Tamar, eingeladen und dann in die Prophetenschule geschickt. Zwischen Amnon und Tamar entsteht ein inniges Liebesverhältniß, worauf sich widrige Ereignisse und Jntriguen ihrer Verbindung entgegensetzen. Zum Schluß werden die Bösen entlarvt — und Amnon als Patriziersohn führt die liebliche Tamar heim. Es kann nicht hier der Ort sein, diesen schönen Roman auch nur in Kürze zu wiedergeben. Wer ihn je gelesen, wird niemals der köstlichen Stunde vergessen, die er bei dessen Lektüre verlebt hat. Der Verfasser versteht es vortrefflich, uns in jenes Zeitalter zu versetzen, und das Leben in Jerusalem und in dessen ländliche Umgebung ist entzückend geschildert. Das Bild, das uns der Dichter vorführt, ist