Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die neue hebräische Litteratur
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Heinrich Zschokke, dessen ״Almontade" er auch ins Hebräische übersetzte. Er zeichnete sich insbesondere durch einen sehr fließenden, wenn auch nicht immer ganz korrekten Stil aus. Etwas später begann K. Schulmann (ebenfalls in Wilna), der Eugen Sue's ״Geheimnisse von Paris" ins Hebräische übertrug. Dieses Buch erlebte mehrere Auslagen und wurde feiner Zeit von der jüdischen Leserwelt förmlich verschlungen. Schulmann übersetzte auch die mittlere Ausgabe von Webers Weltgeschichte, wodurch er ungemein viel zur Aufklärung unter Len russischen Juden beitrug, ferner einige Schriften des Josephus Flavius und mehrere geographische Schriften. Schnlmann war ein sehr fleißiger und nützlicher Ueb ersetz er; Eigenes hat er hingegen wenig und uur Unbedeutendes geschaffen. In seiner Sprache finden wir eine völlige Rückkehr ZU dem biblischen Musivstil. In den sechziger Jahren begann in Rußland eine neue Epoche für die hebräische Sprache. Es war damals die Regierungszeit des humanen und liberal gesinnten Alexander II., die sich auch für die Juden in Rußland sehr günstig gestaltete. Die Regierung gab sich alle Mühe, die Juden dem kürzerlichen Leben näher zu bringen und aus ihrer religiösen Abgeschlossenheit herauszureißen. Die Gesetzgebung in Bezug <mf die politische Stellung der Juden war vom Geist der Toleranz und der Milde beseelt. Von der förmlichen bürgerlichen Gleichstellung der Juden war man nicht mehr weit entfernt. Die russische Regierung wollte durch Errichtung von Schulen unter den Juden Aufklärung und Liebe zu profanen Wissenschaften verbreiten, die Bildungsbestrebungen der Juden wurden von ihr eifrig gefördert. Andererseits herrschte ein liberaler Geist auch in der russischen Litteratur; insbesondere begann man sich damals viel für socialpolitische Fragen zu interessiren. All diese Erscheinungen übten ihren Einfluß auch auf die Juden aus. Ein mächtiger Drang nach Bildung und Aufklärung beherrschte die Geister. Das in jene Zeit durch A. Zederbaum ins Leben gerufene Wochenblatt ״Hameliz" wurde das Organ dieser Kulturbestrebungen. Bald kam ein reformatorischer Zug in die hebräische Publizistik; es wurde ein erbitterter Kampf gegen die Bigotterie und Bildungsfeindlichkeit der Alten geführt^