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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 180

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die neue hebräische Litteratur
Date
1900-01-01
Page
Seite 180 (sequence 14)
Language
German
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IRI
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180 halbwilden Bevölkerung und oft von jedem menschlichen Umgang abgeschlossen. Das geistesarme Volhynien war kein geeigneter Boden für das Aufblühen einer neuen Kulturepoche unter den Juden; diese nahm ihren Ausgang von Wilna, der Hauptstadt Lit- Lhauens. Anfangs des fünften Decenniums unseres Jahr- Hunderts vereinigte sich eine Anzahl junger, geistig aufstrebender Männer in dem Bestreben, die hebräische Poesie zu fördern. Sie begannen mit der Herausgabe eines Sammelbuches, ״Blüthen aus dem Norden" (Pirche Zafon) benannt, von dem indessen nur zwei Hefte erschienen sind. In diesem Kreise that sich besonders hervor der als Grammatiker, Bibelerklärer und Dichter gleich berühmte Abraham Bär Lebensohn. Er ist der erste wirkliche Dichter der neuen Litteraturepoche. Ein Theil seiner lyrischen und didaktischen Lieder hat einen hohen Grad von Volksthümlichkeit erlangt und ist auch componirt worden. Man hört diese Lieder von der Jugend mit besonderer Vorliebe singen. Die natürliche Dichterbegabung Lebensohn's war nicht sehr bedeutend, aber er hatte ein feines Sprachgefühl und zarten Sinn für den dichterischen Rhythmus. Seine Sprache ist überall äußerst korrekt' und glatt, die Verse mit großer Sorgfalt gefeilt und deren Bilder immer richtig gewählt. Außerdem verstand es Lebensohn vorzüglich, den volksthümlichen Ton zu treffen, in seinen lyrischen Gedichten sich dem Volke in dessen Denken und Empfinden zu nähern. Es ist der Dichter der unteren Volksmassen, auch schonte er immer das Gefühl der streng gläubigen Leser. Trotzdem er selbst zeitlebens ein Freigeist blieb, begegnen wir niemals in seinen Gedichten irgend welchen polemischen Ausfällen gegen das Alte und Hergebrachte. — Sein hoffnungsvoller Sohn Micha Lebensohn, der ein großer lyrischer Dichter zu werden versprach, ist leider in jungen Jahren gestorben. Außer einem Bändchen lyrischer Gedichte hat er noch eine hebräische Uebersetzung von Schillers ״Zerstörung Trojas" hinterlassen. Aus diesem Kreise ging auch M. A. Günzburg. hervor, der in populär geschriebenen Volksbüchern unter den russischen Juden Kenntnisse der allgemeinen Geschichte und der Religions- Philosophie zu verbreiten suchte. Sein Musterbild war

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