Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die neue hebräische Litteratur
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 13)
- Language
- German
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179 Hebräische lesen und schreiben, sondern in ihm auch fließend eonvers iren. Die Neubelebung der hebräischen Sprache in Rußland hat etwa vor sechzig Jahren begonnen. Sie fand dort, namentlich in Litthauen, wo die Kenntniß des Hebräischen unter allen Schichten der jüdischen Bevölkerung stark verbreitet war, einen günstigen Boden. In Litthauen verstanden fast alle Juden von der zartesten Jugend an hebräisch; es galt nur, ihnen Geschmack für weltliche Lektüre beizubringen, La sie früher ihr Lesebedürfniß ausschließlich in religiösen Schriften zu befriedigen gewöhnt waren. Die ersten Kulturbestrebungen unter den russischen Juden, die übrigens auch Kaiser Nikolaus I., allerdings in seiner despotischen Manier, eifrig zu fördern suchte, ging von dem kenntnißreichen und vielseitigen Jsak Bär Löwensohn aus Kremnitz (einem kleinen volhynischen Städtchen) aus. Es war dies ein eigenartiger Mann, der einen Ehrenplatz in der Geschichte des jüdischen Stammes verdient. Arm, krank, hilflos, in einem gottvergessenen armseligen Städtchen unter ungebildeten, kaum civilisirten Menschen seine meisten Jahre zubringend, war er mit großem Eifer für die Aufklärung und Kultivirung seiner Glaubensgenossen thätig, wobei er auch für die Verbesserung ihrer socialen und politischen Stellung mit Erfolg wirkte und sich bei den höchsten Reichsbehörden eines großen Ansehens erfreute. Er schrieb mehrere Bücher in hebräischer Sprache, um die Juden Rußlands der allgemeinen Kultur näher zu bringen und ihnen allgemeine, insbesondere historische Kenntnisse über die Vergangenheit des Judenthums zuzuführen. Diese Schriften zeichnen sich durch Vielseitigkeit und Kenntnißreichthum aus, wenn man ihnen auch nicht Originalität und noch weniger kritischen Sinn zuschreiben kann. Sie wurden seiner Zeit viel gelesen und trugen viel zur Aufklärung der russischen Juden bei. Die Bezeichnung des ״russischen Mendelssohn", die man später. Löwensohn beigelegt hat, ist nicht ganz unberechtigt. Natürlich darf dabei niemals vergessen werden, daß Löwensohn nicht in der Hauptstadt Preußen, in der geistigen Atmosphäre Friedrichs des Großen, und auch nicht in dem Umgang mit Lessing gelebt hat, sondern in einem elenden volhynischen Nest mitten in einer