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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 177

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die neue hebräische Litteratur
Date
1900-01-01
Page
Seite 177 (sequence 11)
Language
German
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177 zu haben scheinen. Erst in den letzten Jahrgängen machte S. L. Rapaport mit seinen Biographien berühmter jüdischer Männer aus dem Mittelalter, die in den ״Bikkure ha- Jttim" abgedruckt wurden, großes Aufsehen. Durch sie wurde der gelehrte Verfasser mit einem Schlage berühmt, und selbst Zunz hat oft diese Arbeiten als den Ausgangs- Punkt der neubegründeten jüdischen Wissenschaft bezeichnet. Das Jahrbuch, dessen eigentliche Aufgabe nicht die Verbreitung der jüdischen Wissenschaft war, ging im Jahre 1831 ein, und statt seiner erschien dann ein anderes, nur streng wissenschaftlichen Forschungen gewidmet, der ״liebliche Weinberg" (Kerem Chemed), der es mit mancher Unterbrechung zu neun Jahrgängen gebracht hat. Diese Zeitschrift brachte Beiträge von Zunz, Geiger, Sachs, Jellinek, Frankel; die Hauptmitarbeiter waren jedoch Rapaport, Luzzatto und Reggio. Die Poesie fand da keine Vertretung und selbst auf stilistische Feinheit wurde in diesen gelehrten Ab- Handlungen kaum gesehen. Eine Zeitlang galt diese Zeitschrift als das vornehmste Organ der kritischen Schule, sie fand auch in christlichen Gelehrtenkreisen große Beachtung. Sie wurde jedoch später verdunkelt durch das der radikalen Reform und der rücksichts- und schonungslosen Kritik gewidmete Jahrbuch ,,Hechaluz" (der Pionier), von dem im Ganzen dreizehn Jahrgänge erschienen sind. Der Tonangeber dieser Zeitschrift war der geistvolle O. H. Schorr, der auch deren Herausgeber war. Reich, unabhängig, vielseitig gelehrt, satirisch begabt, führte er oft mit der Waffe des beißenden Witzes einen schonungslosen Kampf gegen alle Halbheit und Mittelmäßigkeit, wobei er sich aber auch oft zu persönlichen Angriffen gegen die Vertreter der gemäßigten Richtung Hinreißen ließ. Mit seinem Spott verfolgte er hauptsächlich Rapaport und Frankel, die vornehmsten Vertreter der conservativen Richtung in der Kritik wie in der religiösen Auffassung des Judenthums. Die Tendenz des ״Hechaluz" war offen talmudseindlich, aber auch vor der heiligen .Schrift machte sie keinen Halt. -Neben Schorr zeichnete sich als ebenso scharfer und schonungsloser Kritiker Abraham Krochmal (Sohn des großen jüdischen Forschers und Religionsphilosophen Na chm an Krochmal) aus. 12

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