Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die neue hebräische Litteratur
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 10)
- Language
- German
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176 gehoben werden, daß Geiger die hebräische Sprache gleich der lateinischen als eine internationale Gelehrtensprache (wenigstens unter den jüdischen Gelehrten) gelten laßen wollte, eine Ansicht, der auch Steinschneider vor vielen Jahren Ausdruck gegeben hat. Als literarische Sprache für poetische und belletristische Erzeugnisse sollte das Hebräische in dem Zeitalter Mendelssohns eine Verjüngung erfahren. Die bereits öfter erwähnte hebräische Zeitschrift ״Hameasseph" brachte auch größtentheils nur Dichtungen in Poesie und Prosa. Von Bedeutung sind diese literarischen Produkte, zumeist nicht einmal gut gelungene Uebersetzung deutscher Gedichte (Bürger, Ramler, Lesfing und insbesondere Schiller) oder Gessnerscher Idyllen, an welchen sich der bekannte David Friedländer versucht hat, in keinem Fall. Originale Schöpfungen sind außer einigen unbedeutenden Gelegenheitsgedichten (auf Friedrich den Großen, Friedrich Wilhelm II., Josef II., König Ludwig XVI. von Frankreich 2c.) und der bereits erwähnten ״Mosaide" von Wessely, nirgends zu finden. Im Jahre 1820 rief der Buchdrucker Anton v. Schmidt in Wien ein hebräisches Jahrbuch, die ״Erstlinge der Zeit" (Bikkure-Ha-Jttim), ins Leben, von dem zwölf Jahrgänge erschienen sind. Man braucht nur die zwölf Bände dieses Jahrbuches flüchtig zu durchblättern, um die Armseligkeit der Zeit zu erkennen. In den ersten Jahrgängen waren nicht einmal sämmtliche Aufsätze hebräisch, vielmehr fanden auch deutsche Auffätze (in jüdischen Schriftlichen) Aufnahme. Da an Beiträgen selbst primitiver Natur kein großer Ueberfluß vorhanden war, so druckte man einfach die ״besten" Aufsätze aus dem״Hameasseph" nach, durch welchen Neudruck diese ״besten" Aufsätze gewiß nicht viel besser wurden. In den späteren Jahrgängen schieden die deutschen Aufsätze aus und hörte auch der Nachdruck aus dem ״Hameasseph" auf. - Die Mitarbeiter recrutirten sich dann zum größten Theil aus Böhmen und Mähren, wenig aus Galizien und fast gar nicht aus Deutschland, wo aber indessen die ״Erstlinge der Zeit" viele Leser gefunden