Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die neue hebräische Litteratur
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 9)
- Language
- German
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175 weil man sich einzugestehen schämt, daß dessen Klassizität im Grunde genommen kalt läßt. Viel schöner und lebhafter schrieb sein Landsmann, der verdiente Lexikagraph, Grammatiker und pädagogische Schriftsteller Juda Löb Benseeb; von ihm existiren (handschriftlich) hebräische Gedichte, die inhaltlich zu den lascivsten Erzeugnissen der Litteratur gehören, in der Form aber von großer Schönheit sind und oft an Heinrich Heines Muse erinnern. Ein bedeutender und vielseitiger hebräischer Schriftsteller war Samuel David Luzzatto, dessen hundertjährige Geburtstagfeier auf den 22, August 1900 fällt. Von seiner Bedeutung als Dichter, Sprachforscher, Literaturhistoriker, Bibelkritiker und Exeget kann hier nicht gesprochen werden. Als hebräischer Stilist gebührt ihm die Anerkennung, daß er gegen den neuen Musivstil mit großem Erfolge angekämpft und den nachbiblischen Wortschatz wieder in die hebräische Sprache eingesührt hat. Insbesondere muß seine Stilreinheit gelobt werden, die man in solcher Folgerichtigkeit fast bei keinem anderen hebräischen Schriftsteller der letzten Epoche findet. Er besaß ein feines Sprachengefühl, das sich gegen die eindringenden Germanismen heftig sträubte. In mancher Hinsicht wirkte er wie etwa Wustmann mit seinem bekannten Buche ״Allerhand Sprachdummheiten" in der deutschen Sprache. In der Kenntniß des hebräischen Syntax ist er bis jetzt unerreicht, obgleich seine sprachlichen Rügen nicht immer die gebührende Beachtung gefunden haben. Er correspondirte lebhaft mit fast allen jüdischen Gelehrten seiner Zeit und übte auf sie in sprachlicher Beziehung großen Einfluß aus. Den Musivstil gänzlich überwinden konnte aber auch er nicht, obwohl er dessen Schäden genau kannte und in einem seiner Briefe an Josef Almanzi scharf tadelte. Als gute hebräische Stilisten verdienen noch Erwähnung: Salomo Löb Rapaport, der sich indessen von häßlichen Germanismen nicht fern halten konnte, Jsak Samuel Reggio und Abraham Geiger. Der zuletzt genannte Gelehrte war unstreitig der bedeutendste und beste Stilist unter den deutschen Juden dieses Jahrhunderts. An Feinheit und Eleganz der Sprache erreichte er Mendelssohn, übertraf diesen aber an Schwung und Esprit in der Diction. Es mag noch hervor-