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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 174

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die neue hebräische Litteratur
Date
1900-01-01
Page
Seite 174 (sequence 8)
Language
German
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174 geeignet haben würden, sollte die hebräische Sprache überflüssig werden (Vergl. die Aeußernng Zunzens in seiner Erstlingsschrist: ״Etwas über die rabbinische Litteratur", Gesamin. Schriften I, 4). Dem sei nun, wie ihm wolle. Bleibendes hat diese Schule, die Franz Delitzsch treffend als die germanische bezeichnete, nicht geschaffen. Viel gelesen wurde seiner Zeit die ״Mosaide" (שירי תפארת) von Hartwig Wessely (deren letzter Theil erst nach dem Tode des Dichters erschien); aber schon S. D. Luzzatto, ein gewiß kompetenter Beurtheiler hebräischer Dichtungen, hat den Ausspruch gethan, daß er diese Dichtung niemals habe zu Ende lesen können. Diese ״Mosaide" nimmt heutzutage in der hebräischen Litteratur dieselbe Stellung ein, wie Klopstocks ״Messiade" (deren Nachbildung sie auch ist); sie gehört zum Jnventarium der Litteraturgeschichte, gelesen wird sie jedoch nicht mehr. Neues Leben erhielt aber die neuhebräische Litteratur durch das polnische und italienische Element. In Galizien entstand gegen Anfang unseres Jahrhunderts eine ganze Schaar vorzüglicher hebräischer Schriftsteller, von denen als Stilist am meisten Jsak Erter durch die Verherrlichung^ die ihm der Historiker Grätz zu Theil werden ließ, in weiten Kreisen bekannt wurde. Erter hat in seinem Leben nur wenige Skizzen geschrieben, die gesammelt ein dünnes Heftchen repräsentieren. Nach Inhalt sind diese Skizzen mehr oder weniger gelungene Satiren gegen das orthodoxe Judenthum, namentlich gegen den in Polen herrschenden Chassidismus. Wir wollen hier nicht untersuchen, in wie weit die polemische Tendenz Erters berechtigt war, da wir es hier nur mit der stilistischen Form seiner Aufsätze zu thun haben. Jsak Erter seilte an dem Stil seiner Skizzen mit großer Sorgfalt und peinlicher Genauigkeit. Des eigentlichen Musivstils bediente er sich zwar nicht, aber er hütete sich auch sehr sorgfältig vor Germanismen und vor jedem Barbarismus in der Sprache, die bei ihm eine ungewöhnliche Glätte erhielt. Wir geben ja zu, daß wir heutzutage gar nicht über so viele Zeit verfügen, um unseren hebräischen Stil derart zu glätten und zu feilen. Aber daß Grätz diesen Schrifffteller als den größten Stilisten im Hebräischen feiert, beruht auf arger Üebertreibung. Das Schriftchen Erters liest man heutzutage.

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