Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die neue hebräische Litteratur
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Wicklungsfähigkeit beibehalten hat. Der Wortschatz, der uns in der heiligen Schrift aufbewahrt blieb, repräfentirt keines- Wegs den ganzen Umfang der Sprache. Die Bibel ist größtentheils religiösen Inhalts, und auch die historischen und poetischen Schriften der Bibel enthalten wenig aus dem Alltagsleben. In diesem Falle muß man die Sprache des Misch na als einen ergänzenden Bestandtheil des hebräischen Wortschatzes betrachten, wodurch die׳ hebräische Sprache eine große Bereicherung erfährt. Freilich finden wir in der Mischna auch sehr viele Fremdwörter, dem syrischen, arabischen, griechischen und lateinischen Wortschatz entnommen. Aber abgesehen davon, daß diese Fremdwörter zumeist der hebräischen Sprache vollständig accomodirt sind, finden wir in der Mischna auch viele Worte, die unstreitg echt hebräischen Ursprungs sind, wenn sie auch in dem biblischen Schriftthum nicht Vorkommen. Es würde zu weit führen, wollten wir die sprachlichen Verhältnisse der nachbiblischen Schriften hier eingehend erörtern; wir können nur sagen, daß man die Sprache der Mischna und auch der Agada, von allen etymologischen und lexikalischen Untersuchungen ganz abgesehen, als eine glückliche Fortbildung der hebräischen Sprache betrachten darf*). Dieses großen Wortschatzes haben sich natürlich die späteren jüdischen Schriftsteller reichlich bedient. Wir finden nachbiblische Sprachelemente in den Gebeten, in den religiösen Schriften, in dem Briefwechsel jüdischer Gelehrten, in dem es sich um Rechtsftagen aus allen Gebieten des privaten oder des öffentlichen Rechts handelt. Zuweilen finden wir sogar in diesen letzteren Schriften eine glückliche Neubildung aus dem Arabischen oder Syrischen. Jedenfalls ist die natürliche Entwickelung der Sprache niemals gehemmt worden. Die spanische Schule war zwar in der Prosa und noch mehr in der Poesie bei der Benutzung der nachbiblischen Sprache sehr sparsam, aber ganz entbehren konnte sie kein hebräischer Schriftsteller oder Dichter. Ohne Kenntniß der nachbiblischen Nach dieser Richtung verdient noch immer die größte Beachtung das vorzügliche Buch von M. Sachs: ״Beiträge zur Sprach- und Alterthumsforschung" (Berlin 1852/54).