Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die neue hebräische Litteratur
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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169 einen hebräischen Korrespondenten halten mußte, der mit den jüdischen Geschäftsfreunden in Rußland und Polen zu correspondiren hatte. Wenn man daher von der neuen hebräischen Litteratur spricht, so darf dies nicht so verstanden werden, als ob die hebräische Sprache, die früher als todt gegolten, jetzt zum neuen Leben erwacht wäre; sondern nur dahin, daß wir in der hebräischen Litteratur jetzt eine neue und neuartige Epoche zu verzeichnen haben. In der hebräischen Sprache ist immer literarisch geschrieben worden, und zwar nicht nur Werke religiösen Inhalts, sondern auch weltliche und sogar antireligiöse Schriften. Ich brauche nur an die Noveletten (״Machberot") des Immanuel Romi aus der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts und an die philosophische Schrift des Leon Gersonides de Banolas (״Milchamot Adonai"), eines jüngeren Zeitgenossen Immanuel Romrs, zu erinnern. Die Noveletten Immanuels, der in Italien gelebt, haben inhaltlich mit dem Decameron Boccaccios die größte Aehnlichkeit, während das philosophische Buch Leons hart an den Atheismus streift, jedenfalls den Materialismus Jbn-Roschds (Averroes) wiedergiebt. Später freilich sind weniger weltliche Bücher hebräisch geschrieben worden. Dies lag aber in dem kulturellen Niedergang der Judenheit, der mit dem sechzehnten Jahrhundert den Anfang nahm. Nichtsdestoweniger hat noch David Gans in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts ein geschichtliches Buch (Zemach David) geschrieben, das sich auch mit der nichtjüdischen Geschichte besaßt. Derselbe . Gelehrte, der mit Kepler und Tycho de Brahe verkehrte, verfaßte auch hebräisch ein astronomisch-geographisches Buch (״Nechmad we-Naim"), das freilich erst im Jahre 1743 im Drucke erschien. Wissenschaftliche Werke sind aber zu jeder Zeit in der hebräischen Sprache geschrieben worden, wenn auch im siebzehnten und im achtzehnten Jahrhundert nicht allzu oft. Einen neuen Auffchwung hat die hebräische Sprache in der Mendelssohnschen Epoche genommen. Die Sprache selbst hatte im Laufe der Jahrhunderte viele Wandlungen durchgemacht, was eben als Beweis dafür gelten darf, daß sie eine lebendige Sprache geblieben ist und ihre organische Ent-