Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Wie Steinthal und Lazarus Brüder wurden
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 16)
- Language
- German
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164 ״Nun?" ״Ich möchte heirathen." ״Ah!" — Etwas ängstlich sah Lazarus zum Freunde hinüber. ״Ja. Dieses Herumvegetiren ohne Euch ist gräßlich." Und wen?" ״Jeannettchen." Ein Stein fiel dem Freunde vom Herzen. — ״Gut. נשאלה את פיה (Wir wollen sie fragen.)" Damit gingen sie zu Bert. Kein Wort wurde weiter darüber gewechselt. Einige Tage später reiste Lazarus ab. Mit tiefbewegtem Gemüth. Eine Vereinigung dieser beiden geliebten Menschen schien ein Glück und doch waren manche Bedenken. Und wenn Jeannettchen nicht wollte? Am 7. Januar 1861 in Bern angelangt, sprach er sofort mit seiner treuen Beratherin, mit seiner Gattin, und beaustragte sie, das damals etwa zwanzigjährige Mädchen, zu befragen. Der Jähresunterschied war nicht gar so groß — Steinthal stand damals im achtunddreißigsten Lebensjahr — aber Jeannette war sicherlich weit entfernt davon gewesen, andere als kindliche Gefühle für den Mann zu empfinden, den sie immer nur mit den bewundernden Augen der Jugend einem großen Gelehrten gegenüber betrachtet hatte. So glaubten wenigstens die Anderen; und als Lazarus am Dienstag, den 8. Januar ins Colleg gegangen, machte sich Frau Sarah etwas zaghaften Herzens an ihren Auftrag, rief Jeannettchen herein, fetzte ihr in einer wohlüberlegten Einleitung auseinander, daß sie doch wie jedes normale junge Mädchen ans Heirathen denken müsse, worauf Jeannettchen sich hinter eine Gardine der tiefen Fensternische flüchtete. Frau Sarah rückte nun damit heraus, daß ein Freier da wäre, — und endlich, endlich nannte sie den Namen: ״Steinthal ist es. Willst du ihn nehmen?" ״Ja!" Rasch, hell und freudig war dies ״Ja" erklungen. Während das junge Mädchen hocherröthend hinter der Gardine hervoreilte und der Schwägerin um den Hals fiel . . . Glücklicher Steinthal! —