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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 164

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Wie Steinthal und Lazarus Brüder wurden
Date
1900-01-01
Page
Seite 164 (sequence 17)
Language
German
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165 Noch in derselben Stunde telegraphirte Lazarus an Steinthal: „Du bist verlobt. Wir gratuliren." Steinthal erzählt in seinem Antwortbrief vom 8. Januar, daß, als er das Telegramm erhielt, er singen mußte. Nur wer ihn in seiner ganz specifischen Eigenart genauer kennt, vermag es sich zu erklären, daß aus diese schnelle, liebereiche Erfüllung seines Herzenswunsches kein spontanes Dank- und Freudenwort seinerseits erfolgt. Er schreibt erst am zweiten Tag darauf: „Es handelt sich, wie ich die Sache ansehe, um nichts Kleines, es kommt daraus an, aus dieser Erde ein Verhültniß zwischen vier Menschen zu verwirklichen, das für diese Welt zu schön zu sein scheint, zu ideal. Und andererseits kommt mir die Sache nicht einmal schwer vor. Ich denke, Gott hat uns innerlich mit solchem Reichthum gesegnet, daß wir wohl ein Leben zu führen vermöchten, an dem Er Wohlgefallen findet. Wenn wir alle Kleinigkeiten als Kleinigkeiten nehmen und vor dem Großen gar keiner Beachtung werth halten: wie schön kann Alles werden! —Wir haben wahrhaftig eine Verbindung zu pflegen, die Gott gestiftet hat, wenn irgend eine. In der Welt sind Ehen nicht häufig, Geschwister selten. Verwandte nur dem Namen nach, Freundschaft — wer glaubt an sie? Aber bei uns soll alles dies vermehrfacht in einander greifen. O, Gott! —" An Lazarus' Vater schreibt er Donnerstag, den 10. Januar, (an seine Mutter hat er schon an demselben Dienstag, den 8. geschrieben, an dem er das Telegramm erhielt,) hebräisch; er erklärt dies Lazarus: „Es war mir natürlich nicht um ein Kunststück zu thun, sondern weil es mir in diesem Falle natürlich war, hebräisch zu schreiben. Wenn ich nicht aus der individuellsten Beziehung heraus schreibe, werden meine Briefe wunderbar nichtig, fade und formlos zugleich; meine Beziehung zum Vater aber konnte nur eine hebräische sein. So konnte ich ihm noch das Meiste sagen. Mir fällt eben ein, ich habe Eins Dir zu sagen vergessen: Ich habe um des Vaters Liebe gebeten und nichts von der

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