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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 161

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Wie Steinthal und Lazarus Brüder wurden
Date
1900-01-01
Page
Seite 161 (sequence 14)
Language
German
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162 tritt, daß man sie sieht, da sie denn doch einmal vorhanden. Nun bekämpft sie!" — Mitten in alle Herzensergüsse und Geistesblitze hinein wieder ein naives Plauderwort aus Gröbzig: „Meine Mutter ist Gott sei Dank wohl. Sie erwidert Eure Grüße. Sie begreift gar nicht, daß Ihr mir so viel schenkt. „„Du hast wohl noch keine Birne gegessen dies Jahr?" sagt sie zu mir. „O, wie viele?" — „„Was kostet in Berlin die Metze?"" — „Ich habe keine gekauft!" — „„Hast Du sie denn gestohlen?"" — „Bei Lazarus habe ich sie gegessen." — „„All's Lazarus!"" — Sie meint: „„Du kannst wohl fertig werden, wenn man Dir Alles schenkt!"" „Was Du über den Fortschritt sagst," schreibt Steinthal im Mai 1859, „paßt auch auf Freundschaft. Die Freundschaft, die nicht vorschreitet und wächst, verwelkt, und Derjenige, der nicht ihrem Wesen nach zum höchsten Gipfel steigen kann, bricht an irgend einem Punkt, wo ihm die Kraft ausgeht, zusammen. Darum zerfallen die meisten Freundschaftsbündnisse, weil den Wenigsten der Athem ausreicht bis zur Spitze." Nun, dieser Freundschaft ging der Athem nicht eher aus, als bis Steinthal im Frühling dieses Jahres die Augen für immer schloß. In 50 Jahren niemals ein Zweifel, niemals ein Zögern, niemals ein Wort des Zankes, der Heftigkeit, des Aergers, des Streites! — Auch wissenschaftliche Diskussionen wurden nicht anders erörtert, als wie man selbst, in sich, die Gedanken für und wider überlegt. Von weltlichen Dingen nicht zu reden, da hat Steinthal sich einfach untergeordnet, wie ein Schüler gegen den Lehrer, ein Kind gegen den Vater. Aber auch in politischen und religiösen Ansichten fügte er sich dem Weitblick und der Erkenntniß des Freundes. — Die Gesammtstimmung Steinthals mag noch eine Briefzeile vom September desselben Jahres schlicht und treu kennzeichnen: er macht einen Nachmittagsspaziergang an der Saale: „Mir war, als gingest Du neben mir und so oft ich im Steigen und Schreiten anhielt, um auf die Berge und in die Thäler zu blicken, ftagte ich Dich: ist das nicht schön?"

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