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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 160

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Wie Steinthal und Lazarus Brüder wurden
Date
1900-01-01
Page
Seite 160 (sequence 13)
Language
German
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161 solcher Mißbrauch der Güte etwas von ihrer Schönheit nimmt, und doch kommt es mir auch wieder vor, als wäre er der Weg, auf dem sich die Güte zur Heiligkeit steigern könne. Sie wird wie Sonne und Erde, die auch unverschuldet Wucherpflanzen und Ungeziefer reifen lassen; aber es ist dasür gesorgt, daß ihnen das Alles nichts von ihrem Glanze und ihrer Schönheit nehme." Aber nicht blos zeitlose Probleme der Forschung und der menschlichen Bestimmung und des Schicksals regten ihn uns, auch literarische und sonstige Erzeugnisse der Zeit setzten ihn gelegentlich in heftige Bewegung. Er erzählt von einem Feuilleton der Nationalzeitung über französische Philosophie, besonders über Renans gesammelte Aussätze k. „Seit Hegels Religionsphilosophie sei solch ein Werk nicht erschienen, -unter den Kennern sei es ausgemacht, worüber sich das französische Publikum wundern, das deutsche in heilige Entrüstung gerathen würde, daß in Deutschland die Philosophie todt sei, in Frankreich aber Fortschritte mache. Gegen solche unverschämte Anmaßung schrieb ich ein offenes Sendschreiben. Die Nationalzeitung hat es aber nicht ausnehmen wollen, worüber sich Niemand wundern kann. Mir genügte es eigentlich, die Sache dem Redacteur unter die Nase gerieben zu haben." — Für den alten, wackeren, gemächlichen Zabel wird Steinthals Kritik wohl zu scharf und stürmisch gewesen sein! „Ich beklage aus vollem Herzen ein wunderliches Mißverhältnis in der deutschen Tageslitteratur. Wie kann es die Bossische z. B. wagen, ihren Lesern auf 10 Seiten einen Bericht über eine Reise nach Zerbst von Rellstab, oder nach Wiesbaden von H. W. mit nichts als Fadaisen aufzutischen!? Wie viel traurige Umstände sind nöthig, um das möglich zu machen!" Am Nachmittag desselben Tages schreibt er: „In der Vossischen von gestern steht wieder ein gut Stück Rischus. Der Justizminister (Simon) verordnet, die Juden nicht mehr zum Examen für die Auscultatur zuzulaffen. Es kann mir in vieler Beziehung leid thun. Aber Schmerz fühle ich darüber gar nicht, sondern trotziges jüdisches Selbstbewußtsein. 'Es freut mich, daß die Bosheit hervor- 11

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