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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 158

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Wie Steinthal und Lazarus Brüder wurden
Date
1900-01-01
Page
Seite 158 (sequence 11)
Language
German
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159 Was Steinthal bei Lazarus suchte und fand, das war die Sänftigung seines Geistes, die Stillung seines Gemüthes, die Beruhigung und Befriedigung seines Innenlebens, welche vorher unmöglich schien. Zuweilen beobachtet er Lazarus und vergleicht dessen Wesen mit sich selbst. „Wie lange wird es her sein," — schreibt er einmal, „Du wolltest mir nach dem Abendbrot etwas Wissenschaftliches mittheilen. Deine Frau saß neben Dir und Du sagtest ihr: „Entschuldige, liebes Kind." — Dergleichen hätte ich von Dir wahrscheinlich 10 000 Mal bemerken können, wenn ich Sinn dafür hätte. „Es giebt nichts Köstlicheres, als sanft zu reden." Das höre ich mit an, als wenn einer zu mir sagte: es giebt nichts Köstlicheres, als ein Engel zu sein. Es scheint mir auch so; ich bestreite es gar nicht, aber machen kann ichs nicht. Ich glaube im Traum, wenn ich wachend mit offenen Augen doch nicht um mich, sondern nur in mich sehe, da finde ichs auch in mir. Alles mit Eis verkrustet! Wenn ich das' könnte! Sanft sprechen! — Dann wäre ich ja ganz anders! Dann schriebe, dann dächte ich anders, dann wäre ich Dichter und Philosoph, dann wäre ich ein Genie! — Wer sich immer nur quält, kann nicht sanft sein . . ." In dem kleinen, nicht gerade gebrechlichen aber schwächlichen, jedoch zähen Körper wohnte und wühlte eine durchaus faustische Seele. Wie aus einem Krater — (als einen solchen hat er sein Gemüth in den Briefen oft genug bezeichnet) — wie au§> einem Krater steigen quälende Probleme und glühende Stimmungen in ihm auf; wie dann seine Gedanken skeptisch, zersetzend und vernichtend sich gestalten, sind auch seine Gefühle maßlos, chaotisch und aufreibend. Mit sich allein und seiner Ideenwelt beschäftigt, geräth er außer sich . . . Ein paar Worte — mündlich oder brieflich von Lazarus — führen ihn wieder zu sich selbst zurück und leiten seine aufgewühlten Geister zur fruchtbaren, gedeihlichen Arbeit. Auch in die positiven Dinge der Religion kehrt Steinthal unter Lazarus" sanfter Führung mehr und mehr zurück. — Im Sommer 1857 ist Lazarus in Franzensbad: am 16. Juni schreibt ihm Steinthal. Anknüpfend an eine schlichte psychologische Betrachtung, gelangt der Brief zu stürmisch-erregten

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