Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Wie Steinthal und Lazarus Brüder wurden
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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151 Dann, als Lazarus 1850 geheirathet hatte und ein behagliches „Haus ausmachte", wie man zu sagen pflegt, war es besonders der Freitagabend, der die Freunde in inniger Gemeinschaft zusammen sah. Der Freitagabend! — bei Lazarus stets in hohen Ehren gehalten, von Anfang an immer feierlich und schön, festlich und genußreich begangen, bildete für Steinthal die Oase seines damaligen Lebens. Es waren seine schönsten Stunden in denen er förmlich aufthaute und heiter wurde, wie ein glückliches Kind. Bald aber stellten sich der Freunde mehr zum Freitagabend ein: Paul Heyse, der zusammen mit Lazarus bei seinem Vater hörte, Friedrich Eggers, Jacob Bernays, wenn er durch Berlin kam, und Andere mehr, feierten eine Zusammenschließung der Seelen, die ernst und fröhlich zugleich, zu dem Genußreichsten gezählt werden dürste, das einem jungen Manne geboten werden konnte. Je geräuschvoller aber nun der Freitagabend wurde, desto stiller und wortkarger wurde unser Steinthal. Er hörte noch zu, aber er nahm kaum mehr Theil und es fiel dem Freunde aus. Steinthal entbehrte offenbar das trauliche IstS-a-leb? mit seinem Lazarus . . . So wurde denn der Sonntag als Extra-Freundeszusammenkunftsstunde ausersehen und Steinthal kam pünktlich und regelmäßig — Freitag und Sonntag. — Jetzt aber sprach es sich herum, wie interessant diese durch mannigfachste Gesprächsthemata gewürzten Sonntagsabende seien,- und nun stellten sich allmählig die alten nicht nur, sondern sogar auch neue Freunde zum Sonntag ein, und wieder sah sich Steinthal um sein Alleinsein mit dem Freunde betrogen. Schmollend blieb er einige mal fort. — Da wurde denn der Dienstag (Ki—tauv!) für das Paar bestimmt und für alle Anderen ein unsichtbarer Riegel vorgeschoben. So verblieb nunmehr durch etwa drei Jahre (neben Freitag und Sonntag) der Dienstagabend als das privilegirte Alleinsein zu Zweien in weihevoller, streng respectirter Traulichkeit. Steinthal kommt in seinen Briefen oft auf diese köstlichen Dienstagabende zurück. Immer aber herrschte noch zwischen den Freunden das gemessene conventionelle „Sie".