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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 133

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Der Gaon von Wilna
Date
1900-01-01
Page
Seite 133 (sequence 2)
Language
German
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- - 134 ordentlich scharfem Sinn, von außerordentlicher Belesenheit, von rascher und umspannender Fassungskraft, von klarem und starkem Gedächtnisse, einen Mann, dem zu den größern Geistesgaben sich auch eine höhere Seele gesellt. Einem Künstler z. B., einem Schauspieler, einem Musiker, einem Maler, einem Bildhauer, oder einem Dichter, würde ein Jude, ein Mann aus dem Volke, niemals, auch in Momenten der höchsten Begeisterung nicht, diesen Ehrentitel beilegen. Denn „Gaon" schlechthin involvirt zugleich den Begriff der höchsten Frömmigkeit. Ein echter „Gaon" muß zugleich ein Gerechter, ein Heiliger und ein Reiner sein. Kaum etwas mehr als hundert Jahre sind nach seinem Tode dahin, und schon erscheint uns sein Leben wie eine Legende; von so erhabener und strahlender Schönheit war es erfüllt. Obgleich er uns zeitlich und örtlich nahe steht, nahe auch was seine Lebensschicksale änbetrifft, die sich unter den gewöhnlichsten und alltäglichsten Verhältnissen abspielten, so steht er doch vor uns wie ein Wesen aus einer andern, höhern Welt. Der Gaon von Wilna hat niemals ein Amt oder eine Stellung bekleidet, er trug keine äußern Abzeichen seiner Würde. Wir besitzen noch immer keine kritische und detaillirte Biographie von chm. Doch wird diese geniale Natur den Psychologen reichlichen Stoff zum Nachdenken bieten, aber auch den Historiker der Zukunft wird sie in hohem Maße beschäftigen. Ein jeder Forscher wird eine neue Seite, einen andern Lichtpunkt an ihr entdecken. Aber die äußeren Ereignisse und die zufälligen Vorkommnisse, im Einzelnen oder auch in chrer Gesammtheit, sind durchaus nicht imstande, uns das Räthsel dieses lautern und wunderbaren Lebens in seiner ganzen schlichten Hoheit zu deuten. Daher würde uns eine Biographie im gewöhnlichen literarischen Sinne keineswegs den Schlüssel zu den geheimsten Triebfedern seiner Persönlichkeit reichen. Die Bekanntschaft mit einer Menge Details aus seinem Leben im Elternhause, in der Schule, während seiner Lehr- und Wanderjahre und während seiner späteren

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