Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Der Gaon von Wilna
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 1)
- Language
- German
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Ein literarisches Potrait. Von Kvberr Hrsiinir. er Haon von Kilna. z^eder Rabbiner, oder anerkanntes Oberhaupt einer Gemeinde, noch Vorsitzender eines Lehrhauses, weder officieller Führer seiner Glaubensgenossen, noch ein mitten in dem Getriebe des öffentlichen Lebens stehender Kämpfer ist er gewesen. Er war kein „Herr und Großer in Israel", wie die landläufige Phrase lautet. Er war der „Gaon". Unter dieser Bezeichnung lebt er im Munde und in der Erinnerung des Volkes fort. Und diesen hehren Titel hat er sich nicht selber beigelegt, noch wurde er ihm von einem Rabbinerkollegium, von einer Gemeinde oder von einem engen Kreise dankbarer verehrender Schüler verliehen. Nein. Das Volk in seiner Gesammtheit war es, welches diese seltene Nobilitirung einmüthig vollzog. Das Prädikat „Gaon" schlechthin kennzeichnet einzig und allein Rabbi Eliahu ben Salomo von Wilna. Er theilt diese Würde mit keinem Andern. Ihm ist es zu verdanken, daß das Epitheton „Gaon" in allen Schichten des jüdischen Volkes populär geworden und sich dem Gemüth eingeprägt, indem es zugleich einen neuen, edlern, verklärtern Sinn gewonnen hat. „Gaon" bedeutet nunmehr im Munde des Volkes und in der Sprache des rabbinischen Schristthums der letzten hundert Jahre einen Mann, der ganz Geist ist, einen Mann von außer-