Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Liebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 40)
- Language
- German
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114 als das Sabbatgebot. Am Sinai wird der Sabbat geheiligt, weil Gott nach dem Tagewerk der Schöpfung an ihm geruht habe. Im Deuteronomium dahingegen: ״auf daß dein Knecht und deine Magd ruhe, gleich wie du selbst. Darum hat dir der Herr, dein Gott geboten, den Sabbattag einzurichten." (5. M. 5, 15.) Also hat Gott geruht, damit der Sklave ruhe. Diese Ruhe ist somit das erste Werk der Ge- - rechtigkeit. Sabbat und Recht gehören zusammen. Der Sabbat ist das Fundament und der Inbegriff des Rechts. Man weiß, wie der Sabbat das Princip der wirthschaftlichen Rechtsverfassung des jüdischen Ackerbau-Staates geworden ist; und wie er dies für die moderne Welt geblieben, ja wieder geworden ist. Aus dem siebenten Ruhetage wurde das siebente Erlaßjahr für die Schuldverhältnisse und für das Ackerland. Und nach sieben mal sieben Jahren endlich wurde der Jubelsabbat über das Land geblasen, und alles Eigenthum wurde für eitel erklärt, und zum bloßen jeweiligen Besitz herabgesetzt. So hat das Recht des Sabbat das gesammte bürgerliche Recht geregelt. Albo hat einmal die feine Bemerkung gemacht, wie sich die Stimmung der Propheten, der Politiker, unterscheide von der der lyrischen Psalmen, insbesondere der des Asaph. Die - alte Frage, warum es dem Bösen gut, und dem Frommen übel gehe, regt den Psalmendichter nicht erschütternd auf. ״Wer ist mir im Himmel? und mit dir verlange ich nichts auf Erden . . Die Nähe Gottes ist mein Gut." (Ps. 73, 25, 28.) Wie anders dagegen die Propheten. Sie denken nicht an sich; nicht an die Innigkeit und Kraft und Tiefe ihres Gottessiiedens. Sie denken an die Welt, und wie es in ihr hergeht. Als die Helden der politischen Gesinnung eifern sie gegen die Gewaltigen dieser Erde; gegen die Könige und die Fürsten und die Priester und die Reichen. Sie kämpfen für die Leidenden, und sie werden für sie zu den Märtyrern des Rechts. Und als die Helden des Rechts werden sie die Verkündiger des Gottes der Gerechtigkeit. Der zweite Prophet schon, Hosea, setzt das Recht zur Liebe hinzu. (6, 7.) (חסד ומשפט) Und es genügt nicht mehr, daß Gott barmherzig und gnädig ist: ״und gerecht" heißt er jetzt.