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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 112

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Liebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch
Date
1900-01-01
Page
Seite 112 (sequence 39)
Language
German
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118 büßen. Derselbe Ezechiel ist der Reformator des Opfer- Wesens. Und er hat darin die neue, mit der Gerechtigkeit verbundene Liebe zum gottesdienstlichen Ausdruck gebracht: die Versöhnung. Der Opferdienst ist geschwunden; er Wäre vielleicht auch ohne die Zerstörung des Tempels verfallen. Daß er verschwinden konnte, und daß nach dem prophetischen Worte R. Jochanans ben Sakai Jerusalem in Jamnia wieder erstehen konnte: das ist im letzten Grunde der Versöhnung Ezechiels zu verdanken, und seinen neuen Grundbegriffen von der Sünde der Person und der Tugendkraft der Buße. Er hat das Wesen Gottes durch das Attribut der Gerechtigkeit bestimmt. Und der Formendienst des Opferkultus hat diesen Grundbegriff befestigt, bis er, nachdem er sein Werk gethan, in Scherben gehen konnte. Maimonides hat ebenso religionsphilosophisch, wie geschichtlich, einen tiefen Blick gethan, sowohl in seiner Würdigung des Opferwesens und des Ceremonialgesetzes überhaupt im göttlichen Erziehungsplane, wie in der Ersetzung des Opfers, die er vorzunehmen wagt. Er diskutirt das auffällige Wort des Jeremia: ״Denn nicht redete ich mit euren Vätern, und gebot ihnen nicht zur Zeit, da ich sie ausführete aus dem Lande Aegypten in Betreff von Brandopfern und Schlachtopfern." (7, 22.) Er kann sich nichr genug thun, das Anstößige dieser Stelle hervorzuheben. Mit exegetischer Genauigkeit betont er das bezeichnete Datum: ״da ich sie aus Aegypten führte." Die ersten Verordnungen nach dem Auszuge aus Aegypten seien in Mara ertheilt worden. ״Dort setzte er ihnen Gesetz und Recht." (2. M. 15, 25.) Die Tradition hat dieses Gesetz auf den Sabbat, uud das Recht auf die Rechtsverfasfung bezogen. So ersetzt Maimonides im Sinne des Propheten das Opfer durch den Sabbat und die Rechtsverfassung. Gott ist nicht sowohl der Urheber der Opfergesetze, als vielmehr der Gesetzgeber des Sabbat und der Rechte. In Sabbat und Recht offenbart sich der Gott der Gerechtigkeit. Die Verbindung des Sabbat mit dem Rechte läßt deutlich den Zusammenhang des irdischen Rechts mit der göttlichen Gerechtigkeit erkennen. Keines der Zehn Gebote hat eine gewaltigere Veränderung erfahren bei der Wiederholung 8

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